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mau sagt, die Pestalozzische Methode sei in dieser Beziehungallem des Preises würdig? Wie unsere Zeit alle Extreme heraus-kehrt, so hat neulich ein Pädagoge sich bemüht, zu zeigen, wiewichtig es sei und wie es in den Schulen darauf angelegtwerden müsse, daß die Schüler schweigen lernen. Ach, du meinGott, habe ich gedacht, das können sie, das üben unsere Männer,sie schweigen, wo sie reden sollten, höchstens schlagen sie in derTasche ein Schnippchen*, sie schweigen schon deswegen, weil sienicht reden können. Die Pestalozzische Methode macht aus derdeutschen Nation eine redende Nation.
Soll ich noch ausführen, daß sie die Menschenkraft über-haupt bildet, daß sie dynamisch wirkt, daß von den Lehrern, diesie üben, eine drastische Wirkung ausgeht? Die alten Lehrerlegten es aufs Wissen an, sie maßen die Bildung nach dein Maß.der Kenntnisse, der gelehrten Kenntnisse. Der Lehrer der neueren^modernen Zeit mißt dagegen die Bildung des Menschen nachdem, was der Unterricht aus seinen Kräften überhaupt gemachthat, nach der Verstandes-, Gemüts- und Wissenskraft. OhneWissen ist keine Bildung denkbar; aber doch ist die Bildung,etwas anderes als Wissen. Der gebildete Mann des Volkes be-darf gar nicht eines großen Schatzes des Wissens. Aber Klar-heit und Wissen, Überzeugung des Wissens und andere Eigen-schaften. Wie hat Pestalozzi sein Leben lang gegen den Unter-richtsluxns gepredigt, ja förmlich gewütet! Es hat schon viel ge-holfen, aber es muß noch viel mehr helfen. Hier, ihr Lehrerder neuen höheren Bürgerschulen, könnt ihr ermessen, ob es wahrist, daß ihr von Pestalozzi nichts mehr zu lernen habt. Dennes ist eine Verleumdung eures edlen Strebens, wenn man euchvorwirft, daß ihr vielfach eure Schiller überfüttert und durchdiesen einen Fehler alle Folgen dieser Verirrung herbeiführt? —„Vorüber, ihr Schafe, vorüber!" —
* „Ich werde nie aus Menschenfurcht nicht reden, wenn ich sehe, daßder Vorteil meines Vaterlandes mich reden heißt; mein ganzes Herz gehörtmeinem Vaterlande, ich werde alles wagen, die Not und das Elend inmeinem Volke zu mildern. Ich kann nichts verbergen."
Pestalozzi an Anna Schultheß.