Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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Schiller sagt im 9. Stücke der Horen:Bei dem Unterrichtliegt in den meisten Fällen an dein Den keil mehr als an demGedachten, und durch die Form des Stoffes muß der Geistin Spannung gesetzt und mit einer gewissen Gewalt von derPassivität zur Aktivität fortgerissen werden," aber Pestalozzi undseinen Jüngern gebührt das Verdienst, daß sie die daraus sich er-gebende Methode in die Schule, in die Volksschule eingeführthaben. Sie lehrt den Schüler die Wahrheit finden. Der aberweiß die Dinge recht, der da weiß, wie sie entstehen, er weiß sieallein recht. Jede Schwierigkeit überwindet die Freudigkeit, diefreudige Thätigkeit, d. h. diejenige, die mit nnserm Wesen über-einstimmt, die wir also nicht als Zwang empfinden. Die glück-lichste, seligste Thätigkeit ist die produzierende. Geben ist auchhier seliger als Nehmen. An Knaben und Jünglingen beobachtetund erlebt, ist es ein Schauspiel für Götter, und wie Friedrichder Große von dem nachherigen Friedrich Wilhelm III., alsdieser sich als Knabe den Spielball von ihm nicht nehmen lassenwollte, sagte: der wird sich auch Schlesien nicht nehmen lassen,so denke ich auch, wenn ich einen zehn- oder zwölfjährigen Knaben<ein Kind!) bemüht sehe, eine mathematische oder gleich vielwelche andere Wahrheit zu finden, die gefundene auszusprechenund sich derselben innerlich zu freuen: der wird sich die Kapuzenicht mehr über die Ohren ziehen lassen. Die PestalozzischeMethode entwickelt nicht bloß die reproduktive, sondern die pro-duktive, die schaffende Selbstthätigkeit des Schülers. Sie ver-wirklicht das Diktum, daß der Mensch ein denkendes Wesen sei,sie lehrt jeden denken. Und ohne Denken bleibt der Gedankean Befreiung von sklavischen Zuständen, inneren wie äußeren,>ein leerer Wahn.

Darf ich noch fortfahrcn, meine Herren, in der Schilderlingder Pestalozzischen Methode? Ist es nach den bisherigen An-deutungen noch ilötig, zu zeigen, wie sie den Schüler sprechenlehrt, ihm die Fertigkeit, seine Gedanken frei darznstellen, an-eignet? Ist das etwa eine unwichtige Seite, ist es unwahr, daßder Stil der Mensch, die Gabe der Rede der Mensch sei, daßman den Menschen sehe, wenn er spreche? Ist es unwahr, wenn