174
viel früher, aber doch seitdem in erneuertem, verstärktem Grade,der Entschluß gereift, danach zu streben, seine wahren Schüler,seine echten Jünger zu werden. Um es gleich mit einem Wortezu sagen: Wir wollen, was er wollte.
Nach diesem Bekenntnis entsteht die Frage, was er wollteund leistete und — wollte.
Diese kann ich beantworten und ich muß es, wenn ichunfern Vorsatz, dasselbe zu wollen, rechtfertigen will. Daherist diese Frage das Thema meiner kurzen Rede. Schenken Siemir Ihre Aufmerksamkeit!
Das Streben des Mannes war, seitdem er seinen Beruf er-kannt hatte, bis zum 80. Lebensjahre zwar ein Ganzes; aberman kann zwei Hanptrichtungen darin unterscheiden; ein doppeltesVerdienst hat er sich um das Menschengeschlecht erworben.Sprechen wir zuerst von dein einen, dann von dem andern.Dann wissen wir auch, was wir wollen und sollen.
Das erste war die Begründung der Jugendbildung,von dem ersten Lebenstage des Kindes an bis znm beginnendenJünglingsalter. Diese Bildung empfängt das Kind zuerst indem elterlichen Hause ausschließlich, dann neben diesem in derSchule. Beide Arten der Bildung erkannte Pestalozzi alsim Argen liegend. Darum richtete er seine Aufmerksamkeit aufdie Umgestaltung der häuslichen und der Schulerziehnng.
Ich enthalte mich sowohl der Schilderung des Zustandesder Familien in den unteren Stände» des Volkes, als auch einerVeranschaulichung der Beschaffenheit der Volksschulen nach derBütte des vorigen Jahrhunderts. Pestalozzi war von diesenVerhältnissen, die er ans eigner Erfahrung kannte, so ergriffen,daß er sich getrieben fühlte, auf Umgestaltung beider zu sinnen.Diesem Gedanken widmete er sein Leben.
Die Verbesserung der häuslichen Erziehung strebte er aufverschiedenen Wegen und durch eine Mehrheit von Mitteln an.Zuerst stellte er in seinen Volksschriften, namentlich in dem un-übertroffenen Volksbuche „Lienhard und Gertrud", das den Rufseines Verfassers begründete, das sittliche und ökonomische Ver-derben und die Quellen desselben in Helles Licht. Er schildert