Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
164
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nur aus Maßregeln hervorgehcn, die, indem sie der Lieblosigkeit, dem Miß-trauen und dem Unglauben im ganzen Umfange ihrer Ursachen und Quellenentgegenwirken, geeignet sind, die Vaterkraft, die Muttertreue und denKindersinn in der Erziehung, im öffentlichen wie im Privatleben, in demGrade mit Sorgfalt zu beleben, und ich möchte in gewissen Rücksichtensagen, von den Toten auferstehen zu machen, als wir dieselben gegenwärtigauf der einen Seite soviel als offen im Grabe vor unfern Augen liegensehen, auf der andern Seite aber ihrer dringend bedürfen. Und unserZeitgeschlecht hätte gewiß Unrecht, sich dieses Gesichtspunktes halber demeiteln Wahn zu überlassen, das, was wir seinethalben und zwar gegenwär-tig schon dringend notwendig haben, werde sich ohne unser Zuthun wohletwa von selbst geben. Weder die Anlagen der Liebe und des Glaubens,noch diejenigen der Denk- und Kunstkraft bilden sich in den Individuenunsers Geschlechts, noch viel weniger in den Massaverhältnissen unsererStände und Klassen, ohne unser Zuthun. Die sinnliche und geistige An-gewöhnung alles dessen, was Liebe, Weisheit und Glaube in unfern Lagenund Verhältnissen von einem jeden von uns fordern, erheischen unbedingtmenschliche Sorgfalt zur Einübung aller Fertigkeiten und Gewandtheiten,die uns unser häusliches und bürgerliches Leben zur Pflicht machen, unddie das wahre Christentum selber als unumgängliche Mittel zur Ausübungderselben anerkennt und von uns fordert."

Nunmehr können wir dazu übergehen, zu sageil, wie Pesta-lozzi auf die Volksschule gewirkt hat. Nach seinen eigenen, oftwiederholten Aussprüchen hat er mit seinen Jüngern die Ele-mentarmethode nicht vollendet. Zwar hat er die Überzeugungmit in das Grab genommen, den unerschütterlichen Grund jederwahren Menschenbildnng gelegt zu haben; aber die Elementar-bildungsmittel ganz zur Reife zu bringen, ist ihm nach seinereigenen Meinung nicht vergönnt gewesen. In dieser doppelteilHinsicht stehe ich auf seiner Seite. Er hat das Wesen der inensch-lichen Grundbildung erkannt; die menschliche Natur ist und bleibtdie Norm für alle organische Entfaltung und Wirkung; dasPrinzip der Anschauung und der Veranschaulichung gilt für alleZeiten und für alles; auch sind aus der Pestalozzischen Schuletreffliche Lehrschriften hervorgegangen; aber vollendet ist dieSache nicht. Gegenwärtig stehen wir im deutschen Volksschul-wesen, um einen Vergleich zu wählen, aus dein Standpunkte desTycho. Wie Kopernikus den Umlauf der Erde um dieSonne entdeckt und das ewig wahre Weltsystem aufgestellt, so