Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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überhaupt die Mittel, durch welche der Meusch seine Bestimmung,also auch die religiöse Bestimmung, erreiche. Aber er suchte siein allem und durch alles. Oder suchte er etwa die Religionaußerhalb des Lebens, d. h. in der Werkheiligkeit? Oder suchteer sie, mit Verachtung des Lebens, über demselben, d. h. indem Pietismus? Huldigte er etwa jenem Schein-, oder diesemZerrbild? Keins von beiden, Religion und Leben waren ihmeins, seine Religion war lebendig, sein Leben religiös;beide gingen in ihn: ganz ineinander aus. In ihm kommtkeine Spur vor von dem grundverderblichen Irrtum, daß mensch-liches Wissen und Können, Wissenschaft und Kultur, Kunst undFertigkeit von religiösem Bewußtsein und Thun getrennt seien.Religiosität war ihm die Blüte des Lebens und Strebens ererkannte und suchte sie in den Früchten. Wie er Denken durchDenken, nicht durch das Wissen des Gedachten lehren wollte,so wollte er zum Glauben und Vertrauen nicht durch das Wissendes Geglaubten, sondern durch Glauben und Vertrauen anleiten.

Der Glaube" sagt er selbstmuß wieder durch das Glaubenund nicht durch das Wissen und Verstehen des Geglaubten, das Denkenmuß wieder durch das Denken und nicht durch das Wissen und Kennendes Gedachten oder der Gesetze des Denkens, die Liebe muß wieder ausdem Lieben und nicht aus dem Wissen und Kennen des Liebenswürdigenund der Liebe selber, und auch die Kunst muß wieder aus dem Könnenund nicht aus dem tausendfachen Gerede über das Können Hervorgebrachtwerden".

Kurz, auch hier erhielt nicht die Lehre, am welligsten aberdas naturwidrige, die natürliche Gesundheit und das natürlicheWachstum des Geistes zerstörende Verfahren, sondern nur dasLeben, das in Glauben und Vertrauen zu Gott und Menschenwurzelnde, in Liebe und Hingebung sich bethätigende Leben, denPreis. Welcher Unbefangene könnte ihm widersprecheil, wermöchte ihm mit Gewissensfragen zusetzen?

Daß es geschehen, noch in neuester Zeit geschehen, ist auchein Zeichen unserer Zeit. Verweilen wir nicht länger bei denen,die sich frei dünken, weil sie mit ihren Ketten rasseln! Nur dieeine Bemerkung erlaube ich mir noch, daß die Verkehrtheitdes herrschenden Religionsunterrichts es gewesen, welche denStillstand in der Fortentwickelung der Pestalozzischen Methode