Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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ihn und seine Familie, sondern für seine Kinder, und wenn diesertraurige Gemütszustand, wie es den Anschein hat, mehr undmehr Lehrer ergreifen, sich allgemeiner über Deutschland ver-breiten sollte, so wäre dieses einer allgemeinen Kalamität gleichzu erachten.

Es scheint nur daher die Frage nach der Ursache der Ver-stimmung und des Mißmutes der Lehrer an rechter Stelle. Ver-dienen die Lehrer darum gerechten Tadel, oder sind objektive Ur-sache!: vorhanden, welche verstimmend auf ihr Gemüt einwirken?Wie begegnet mau den schlimmen Wirkungen der Verstimmung?Bei diesen Fragen lassen Sie uns etwas verweilen! Ich machekeinen Anspruch auf Erschöpfung dieses Themas, ich will esmehr anregen als erörtern oder durchmessen. Ich suche umes zu gestehen eine Veranlassung, meinen Schinerz auszu-sprechen, ihn zu objektivieren, über ihn klar zu werden, ihn da-durch zu überwinden, ihn: wenigstens die verwundende Spitze zurauben. Denn ich würde mich umsonst bemühen, es zu ver-bergen, daß ich, wenn ich an die Lehrerverhältnisse denke, nichtauf die reinste und beste Art gestimmt bin. Es ist möglich, daßich besondere Ursache dazu habe; aber ich halte mich an all-gemeine Thatsachen.

Es haben sich der Lehrer die Meinungen bemächtigt: manlege ihrem Berufe nicht die Bedeutung bei, die er nach ihrerMeinung hat; man schätze ihre Arbeit, die sie für sehr mühsamund anstrengend halten, nicht nach Gebühr; inan lohne ihnenauch äußerlich nicht nach Verhältnis und Verdienst.

Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, daß diese Auf-fassungsweise in dem Lehrerstande fast allgemein geworden ist.Niemand wird sich daher darüber wundern, daß inan hoffte undstrebte.

Die Zeit des Strebens und der Hoffnung ist eine heitere,an- und aufregende, beglückende Zeit.

Die Lehrer hofften, mehr in der öffentlichen Achtung zusteigen, als es der Fall gewesen zu sein scheint; hofften, daß dieBehörden ihr Streben nach aufwärts und vorwärts mehr undmehr begünstigen würde»; hofften vermehrte Einnahmen.