Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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XII.

Unrede (Ullokution) an die Lehrer.

Ich müßte die Lehrer nicht kennen, ihre Gedanken nichtverstehen, ihre Empfindungen nicht teilen, ja sie nicht einmalvernehmen, wenn ich nicht wissen sollte, daß sich ihrer mehrund mehr eine Art Verstimmung, wo nicht gar ein Graddes M ißmutes bemächtigt. Dieses ist eine Thatsache; manbegegnet ihr im Süden und im Norden, im Osten und im Westen,in und außerhalb Preußens. Auf manches Lehrers Brust liegtes gleich einem schweren Gebresten.

Es ist eine sch limme Thatsache. Denn des Lehrers Berufgedeiht nur bei Ruhe des Gemüts, Heiterkeit des Geistes, Zu-friedenheit mit Menschen und Schicksal. Ein mit sich, demSchicksale oder gar den Menschen zerfallener, von allen Seitenverfolgter, mit Unrecht zurückgesetzter, oder sich zurückgesetztglaubender, mit Kummer iu der Gegenwart lebender, mit Sorgenund ohne belebende Hoffnung in die Zukunft blickender Mann istnicht iu der Beschaffenheit, in welcher das Erziehen, Bilden undGestalten an der Kindesnatur gedeiht. Er ist ein sehr unglück-licher Mann, und als solcher eignet er sich nicht zum Erzieher.

Die Natur selbst lehrt dieses deutlich: in Stimmungen undLagen, wie die oben beschriebenen, fühlt man sich von Kindernund Kinderkreisen nicht angezogen, sondern abgestoßen. Mansucht und liebt die Einsamkeit, kurz mau fühlt sich da wohl, woman durch die Unruhe der Kinder nicht belästigt wird.

Der Mißmut eines Lehrers ist nicht nur ein Unglück für