Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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106
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Wille, That. Hält man einmal die Wahrheit, daß das Wohl-befinden des Menschen nicht bloß Wirkung seiner eignen, sonderndie Wirkung der Thätigkeit anderer und des Einflusses der Ver-hältnisse ist, für eine so gewisse und feste Wahrheit, daß sie Über-zeugung der Menschen wird, so folgt man dieser Kraft der Über-zeugung, d. h. alle sind bereit, sich für das Wohl aller, wo nichtsolidarisch zu verpflichten, doch dafür zu interessieren und dafürzu bethätigen. Auf diesem Höhepunkte scheint die Gesellschaft inden kultiviertesten der europäischen Staaten angekommen zu sein.Glück auf!

6 .

Mitten unter dem leidenschaftlichen Gewirre des Tages inkonfessioneller Beziehung (ich kann es nur ein betrübendes nennen)will ich auf eine der vielen herrlichen An- und Aussichten, dieder 29. November eröffnet, hindeuten. Vielleicht gehört dies,streng genommen, nicht hierher; aber gleichviel.

Der merkwürdige Tag vereinigte Menschen aller Konfessionenoder religiösen Bekenntnisse miteinander; aber es war weder da,noch ist in dem Statut des Zentralvereius mit einer Silbe davondie Rede.

Da sind wir auf einmal, meine Freunde, aus einem zweitenHöhepunkte angekommen, erhaben über die in früheren Zeitenso gewaltigen Ursachen des Unglücks von Millionen oder Milli-arden von Erdenbemohuern. Es ist schrecklich, dessen nur zu ge-denke». Also die Versammlung vom 29. November bekennt sichfaktisch und praktisch zu nachfolgenden Grundsätzen:

In dem Leben, in dein oft so engen und freudenlosen Leben,steht der Mensch dem Menschen gegenüber und soll ihmzur Seite stehen der Mensch dem Menschen, wiederholeich freudvoll, fast ergriffen; nicht: der Gläubige dem sogenanntenGläubigen, nicht: der Konfessiousverwandte dem Konfessionsver-wandten, und folglich auch uicht der Gläubige dem Ungläubigen,sondern der Mensch dem Menschen, der Bürger dem Bürger.Also von trennenden Unterschieden und unterscheidenden Tren-nungen soll fortan unter uns nicht mehr die Rede sein! Gott