Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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inan ein Mensch bleiben, menschlich leben will. Entbehrt desMinimums (es ändert sich nach Zeiten lind Orteil) einer, so istes wenigstens um dessen glückliches Dasein, oft auch um diehöchsten Eigenschaften des Menschen, um Sittlichkeit und Ver-nunft gescheheil, Armut und Roheit pflegen sich gegenseitig zubedingen. Ob es auch ein Maximum des Besitzes giebt,wo er anfängt, Unheil zu stiften, ist noch nicht ganz sicher aus-gemacht,- es scheint aber so. DieWissenschaft der Gesellschaft"wird nach und nach auch dahinter kommen, sowie über so vielesandere, was jetzt noch den Blicken aller verborgen ist. Wirbuchstabiereil noch am A-B-C dieser Wissenschaft.

Jil dein Grade, als die Organisation einer Gesellschaft dasGlück und Wohlsein aller befördert, in dem Grade ist sie gutorganisiert, und umgekehrt. Denn auf das Wohlbefinden kannder Mensch nimmer verzichte». Eine gilt organisierte Gesellschaftachtet diesen Trieb, beachtet ihn als die höchste Richtschnur(sains pnbliea summa Isx ssto!); das Glück aller ist ihroberster Gesichtspunkt, ist ihr ein heiliger Gegenstand. Gleich-giltig sein bei dein Unglück eines oder gar vieler Gesellschafts-glieder, ist eiil Zeichen sozialer Roheit und Beschränktheit.Letzteres, weil der heute Gebende oft schon morgen der Bedürf-tige, der Nehmende ist. Kein Heil außer der Selb st -thätigkeit und Selbstbestimmung des einzelnenMenschen. Dieseil Satz kannte inan schon vor Jahrtausenden.Jetzt kennt man auch den zweiten: Kein Heil außer derTeilnahme, außer der Gemeinschaft der Menschen.

Diese Erkenntnis, die Verbreitung dieser Erkenntnis unterimmer mehreren, ist eine der erfreulichsten und hoffnungsreichstellErscheinungen der Gegenwart. Denn sie führt, wie jede wahre,tiefe Erkenntnis, zu praktischen Resultaten. Die Erkenntnis wird

menschlichen Körper zuträgliche Nahrung in der zur Ersetzung der Kräftenötigen Quantität, eine nach Verhältnis des Klimas gesunde Kleidung undfeste, gesunde Wohnung muß jeder haben, der arbeitet; das ist Grundsatz,das ist unveräußerliches Menschenrecht. So lange auch nur einer da ist,dem es unmöglich ist, durch seine Arbeit dieses zu erwerben, muß der Luxuseingeschränkt werden." Fichte.