Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
104
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Die richtige Erkenntnis der Bedingungen des irdischenGlücks! Welches sind sie? Wenn wir sie nennen, so könnenwir uns des Geschäfts, die falschen Richtungen, in welchen manes gesucht hat, zu nennen, entschlagen.

Das menschliche Glück besteht in der Entwickelung der Naturdes Menschen, in der Befriedigung der Bedürfnisse seiner Natur.Der Mensch will sich, als natürliches Wesen, entfalten, alleSeiten seines Wesens entwickeln, sich als Mensch darstellen.Solches will und soll jeder Mensch. Je nach der Verschieden-heit der Energie der Anlagen und Triebe will es der einzelnemit mehr oder weniger Kraft. Da nun der Mensch sinnlich-geistiger Natur ist, so erheischt sein Glück eine doppelte. Ent-wickelung oder Befriedigung: Befriedigung der sinnlichen undBefriedigung der geistigen Bedürfnisse. Wird ihm das eine oderdas andere verkümmert, so entsteht ein verkümmerter oder ver-krüppelter Mensch; das Glück des Daseins ist dahin. Auf diesesaher kann kein Mensch verzichten; der Trieb nach freier, glück-licher Entfaltung ist das Wesen der menschlichen Natur, jedesIndividuums.

Der Mensch erreicht seine irdische Bestimmung nur in derGesellschaft der Menschen, durch eigne Selbstthätigkeit und durchdie Mitwirkung anderer. Weder durch das eine, noch durch dasandere allein. Jeder gesunde Mensch will und soll sein eigenBrot essen, jedem soll die menschliche Gesellschaft behilflich sein.Wer arbeiten kann, aber nicht will, ist ein krebsartig wirkenderZweig an den: Baume des Menschenvereines: er wird abgehauenund ins Feuer geworfen, verdient es wenigstens. Jede Gesell-schaft dagegen, welche gleichgiltig ist gegen das Wohlverhaltenund Wohlsein aller Glieder, ist zun: wenigsten keine feinere, keinemenschliche Gesellschaft. Denn keines Menschen Kräfte reichenhin, allein glücklich zu sein oder zu werden.

Um menschlich zu leben, dazn gehören Mittel, äußere Mittel.Bis auf ein gewisses Minimum kann man sie entbehren; aberüber diese Grenze hinaus nicht, wie Fichte* schon sagte, wenn

*Nicht dis Gewohnheit entscheidet über das an sich Entbehr-liche und das an sich Unentbehrliche, sondern die Natur. Eine dem