Freunde und Mitarbeiter ihn verleiteten, seine Erziehungsanstaltzu einer höheren für vornehme Kinder hinaufznschrauben. Dieseswar eine traurige Verirrung. Ein noch größeres Unglück kamüber den alternden Mann durch die traurigen Zerwürfnisse undFeindseligkeiten zwischen seinen Schillern und Freunden imInnern der Anstalt. Sie haben dein Manne das Herz gebrochen.Einen Aufschwung erlebte die Anstatt noch einmal, als durchdie Herausgabe von Pestalozzis sämtlichen Werten (15 Bände,Stuttgart 1819) die ökonomischen Umstände sich besserten. Deredle Kaiser Alexander hatte für 5000 Rubel, Friedrich Wil-li e l m der Dritte für 400 preußische Thaler subskribiert. Beidehatten ihn bei ihrer Anwesenheit in der Schweiz 1814 ihrerpersönlichen Aufmerksamkeit gewürdigt*. Der herrliche Menschbestimmte den Ertrag der Subskription zur Gründung einerArmenschule, für die er sein Lebenlang geschwärmt hatte.Waisenkinder sollten wohl erzogen und zu guten Lehrern gebildetwerden. Leider hinderten Mißgriffe mancherlei Art das Gedeihendieser Stiftung.
Der Greis war, da er durch die oben angedenteten Um-stände seine Schöpfungen in Verfall geraten sah, tief gebeugt.Vergeblich versuchte Fel len borg, der edle Stifter von Hofwpl,groß als Mensch und als Bürger, Pestalozzi zu retten. Derselbeverweilte bis 1825 in Jferten. In diesem Jahre wurde die her-untergekommene Anstalt aufgehoben; Pestalozzi zog wieder nach
* Rainsauer erzählt folgendes über den Besuch Pestalozzis beiFriedrich Wilhelm III.:
„Als iin Jahre 1814 der König von Preußen nach Neufchatel kam,war Pestalozzi sehr, sehr krank; dennoch sollte ich ihn zum Könige führen,damit er rhm danken könne für seinen Eifer um das Volksschulwesen, unddaß er so viele Eleven nach Uverdun geschickt hatte. Auf der Hinreise sankPestalozzi mehrmals in Ohnmacht, und ich mußte ihn aus dem Wagenheben und in ein Haus bringen. Dann wollte ich ihn bewegen, zurückzu-kehren; er aber erwiderte: „„Nein, schweig davon, ich muß den König sehenund sollte ich auch darüber sterben; wenn durch meine Gegenwart beimKönige auch nur ein einziges Kind in Preußen einen besseren Unterrichtempfängt, so bin ich reichlich belohnt.""
Was der edle Mensch, „der Mann nach dem Herzen Gottes" einemKinde zugedacht hat, ist bereits vielen Millionen zu gut gekommen.