89
Neuhof, das sein Enkel in Pacht genominen hatte. Hier schrieber, fast verzweifelnd an der Zukunft der Sache, der er feinganzes Leben gewidmet hatte, sein letztes Wort, seinen eigent-lichen Schwanengesang („Meine Lebensschicksale"), worin er vor-zugsweise seinen Freund Schmidt gegen Niederer (die beidenAnführer der Parteien in seinem eignen Hause) zu verteidigensuchte. Mit Schmidt machte er 1826 noch eine Reise nach Basel,besuchte die Armenschule und die Anstalt freiwilliger Armenschul-lehrer in Beuggen. Hier wollten ihm die Zöglinge einen Ehren-kranz aufsetzen, aber er verweigerte ihn weinend mit den Worten:„Solches gebührt der Unschuld." Noch am 21. Dezember 1826strahlte die Kraft seines Geistes in einer Kulturgesellschaft; nochließ er den Anfang zum Aufbau eines Hauses für eine Armen-schule, die er auf dem Neuhof errichten wollte, machen, als ihmam 17. Februar 1827 der Friedenseugel des Todes erschien.Er hauchte seinen edlen Geist unmittelbar nach den Worten aus:„Ich verzeihe meinen Beleidigern; mögen sie Frieden finden, wieich jetzt zum Frieden eingehe."
Nach seiner Verfügung wurde sei» Leichnam auf dem Kirch-hofe zu Birr, in welche Landgemeinde der Neuhof gehört, ander Grundmauer des Schulhauses bestattet. An dieser Stellebezeichnet, gleichfalls nach seiner Verordnung, ein einfacher Feld-stein seine Ruhestätte. Kindliche Dankbarkeit hat einen weißenRosenstrauch daneben gepflanzt. Hoffentlich wird die dankbareNachwelt noch ein seiner würdiges Denkmal stiften. Er wareiner der edelsten Menschen, die je gelebt haben; die Folgenseines Wirkens sind so großartig, daß er neben die größtenWohlthäter des Menschengeschlechts gereiht werden muß; seinHerz schlug nur für die Armen, die Niedriggeborenen, die Unglück-lichen und deren Kinder.
Was er 1782 in einem Schweizerblattc gelobte, hat er ge-halten bis zum Grabe. Er schrieb:
„Ein Kind will ich bleiben bis ins Grab! Es ist nichtsHerrlicheres, als immer kindlichen Sinn haben; lieben, glauben,sich an andere auschließen, wie ein Kind; von Jrrtümern, Fehlern,Thorheiten lassen; besser und einfacher sein als die Studierten,und zuletzt ungeachtet ihrer feinen Klugheit besser werden, als