80
kinder. Bei Gelegenheit erzählte er von dem Umschwünge inseinem Innern. Er vernahm darin eine Stimme, welche sprach:dn sollst. Zu ihr gesellte sich eine zweite: du kannst. Undnun fügte der Mann hinzu: ich will. Wie hat er sein Wortgehalten! Er ist ein Weltschulmeister geworden.
Sollen, können und wollen — wo diese drei bei-sammen sind, da giebt es nicht nur einen guten Klang, sondernauch Leistungen. Unglücklich der, welcher zwar weiß, was ersoll, aber nicht kann, oder gar nicht will. Traurig stehtes auch mit dem, der zwar kann und auch will, abernicht weiß, was er soll. Wir bemitleiden den, der zwar will,was ersoll, aber nichts kann. Darum ist der selig zu preisen,der das will, beharrlich will, was er soll, d. h. was er fürseine Pflicht erkannt hat, und die Kraft in sich spürt, es zukönnen, dein also weder das Vertrauen zu sich, noch die Zuversichtauf den Beistand der göttlichen Vorsehung mangelt. So wares bei Pestalozzi. Ihn verfolgte ein erhabener, hoher Ge-danke, eine Idee, wie man zu sagen pflegt, bis über das80. Lebensjahr hinaus. Sein Ideal war: Veredlung desMenschengeschlechts durch Erziehung und Bildung. Ihm widmeteer sein ganzes Leben. Er kannte nichts anderes, er vergaß dar-über alles andere, er dachte immer zuletzt an sich selbst — ordinäreMenschen nannten ihn einen Schwärmer, oder belegten ihn undsein Thun oft sogar mit Schimpfnamen.
Er hatte ein- für allemal seine Neigung und Liebe denKindern der Armen zugewandt. Daß deren Erziehung und Bil-dung fürs Leben nicht in geschlossenen, künstlich eingerichteten,städtischen Waisenhäusern gedeihen könnte, davon war er baldüberzeugt. Auf dem Lande müßten sie, meinte er, erzogen wer-den, wenn sie leiblich und geistig gedeihen sollten; an ländlichenBeschäftigungen müßten sie frühe teilnehmen, überhaupt zurArbeitsamkeit und zu nützlicher, praktischer Thätigkeit erzogenund zugleich in einfacher, naturgemäßer Weise geistig gebildetwerden. Nm diese Gedanken zu verwirklichen, kaufte er durchAnwendung seines väterlichen Erbteils ein kleines Gut, denNeu Hof bei Lenzburg im Kanton Aargau, wo er sich, 24 Jahrealt, mit Anna Schultheiß aus Zürich verheiratete. In den