57
In dem Unterricht selbst, d. h. in der Wahrheit, die ermitteilt, zn deren lebendiger Erfassung er anregt, oder derenselbstthätige Entwickelung er fördert, und in der der Natur dessich entwickelnden Geistes entsprechenden Form liegt die Kraft,welche den Menschen naturgemäß, d. h. von innen heraus, erzieht.Die dadurch erregte Veredlung erstreckt sich nach allen Seiten:der Körper nimmt eine edlere Haltung an, die Gesichtsbildnngwird reiner und feiner, der Sinn für das Wahre *, Schöne undGute entwickelt sich, es erscheinen die Früchte der humanenBildung. So haben es zu allen Zeiten die echten, wahrenLehrer, so selten sie auch in den früheren, dunklen Jahrhundertengewesen sein mögen, gemeint, zu allen Zeiten haben solche dieseFrüchte erzielt. Aber zu keiner Zeit hat man diese umfassendeWahrheit so tief erkennen, weil praktisch bewahrheiten können,als seit Pestalozzi; zn keiner Zeit dürfte es aber auch fürzeitgemäßer erachtet werden können, daran zu erinnern, und die,die es nicht wußten, aufznforder», so in das Wesen und in denGeist des wahren Unterrichts einzudringen, als in unfern Tagen.Unser Thema war und ist: jeder wahre Unterricht hat einebildende, sittliche Kraft. Grube hat es von dem Rechenunter-richt nachgewiesen; nun so wird es doch wohl auch von demUnterricht in der Weltkunde, in dem Zeichnen und der Kalli-graphie gelten. Wer dieses leugnet, dem sprechen wir direktnicht nur die Einsicht in das Wesen des wahren Unterrichts,sondern auch die Kenntnis der Sache ab. Und wer nach allemBisherigen und Weiteren, was der denkende Leser leicht hiüzu-thut, noch mit Bedenklichkeiten und Fragen herankommt; werdie Versicherung nachleiert, man müsse einen Unterschied machenzwischen der Bildung für das Leben, die Welt, die Erde, undzwischen der Bildung für den Himmel, die Ewigkeit, das Jen-seits, das Obengesagte fördere jene und diene der Vergänglich-keit, dem Schein, sei profane Bildung, ein anderes sei es mitder Erziehung für das Heilige, Göttliche, Unvergängliche u. s. w.;kurz, wer hier »och, nachdem man stundenlang Vernunft ge-
* „Nur das Wahre kann schön sein, nie das Falsche; nur das Gutekan» schön sein, nie das Böse, und das Rechte ist das Wahre und Schöne."
Goethe.