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2 (1890)
Entstehung
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sei» Kern ist dieses, daß der Mensch, der Bildung hat, den Geist(das Geistige) höher schätzt als die Welt. Diese Richtung könnenwir die religiöse nennen, im weiten Sinne des Wortes, in demwir niemand ausschließen, dem in der That das Innere und Un-sichtbare lieber ist als das Äußere und Sichtbare. Offenbarmacht dieser Begriff Bildung ausgedehnte Anforderungen anjeden Gebildeten, oder, da der Begriff nichts Feststehendes oderUnbewegliches, sondern das Fließende und Werdende bezeichnet, anjeden nach Bildung Strebenden. Denn wer darin sichvernachlässigt, aufhört zu streben, ist des wesentlichsten Merkmalsdes Gebildeten damit verlustig. Nicht also der Lehrer*: erstrebttagtäglich und sein ganzes Leben hindurch nach Bildung. Das istsein Berns, das ist seine Nahrung. Und die Frau des Lehrers?

Viertens, sie teilt dieses Streben; d. h. zweier-lei: sie freut sich des Streb ens ihres Alaun es, sieräumt alle Hindernisse aus dem Wege, sie begün-stig t es auf alle Weise, und für sich selb st bil det siesich weiter.

Da jenes sich von selbst versteht, so rede ich von diesem nurnoch einen Augenblick. Verhältst du dich gegen die Bildunggleichgültig, so sagst du, du habest keine Zeit. Es ist aber nichtwahr, in keinem einzigen Falle wahr. Ich kenne hier die Fraueines Instrumentenmachers: am Tage kocht, wäscht und reinigtsie, wie sich's gehört, erzieht die Kinder u. s. w. und abendsnach acht Uhr liest sie zu ihrer Erholung und geistigen Nahrungastronomische und andere Schriften. Ohne Lesen, ohne Bücherexistiert heutzutage auch keine weibliche Bildung. Seit Schillerund Goethe um ein Beispiel zu wählen hat sich eine neueDichterschule gebildet, die sogeuannten modernen Dichter: NikolausLeuau, Anastasius Grün, Dingelstedt, Heine, Herwegh, Prutz,Müller (3), Freiligrath, Geibel, Mosen, Püttmann, Simrock, Wihl,Gaudp, Bechstein, Eichendorff, Duller, Pfizer, Fr. v. Sollet,

*Dieser ist mir der Freund, der mit mir Strebenden wandelt;Läd't er zum Sitzen mich ein, steh? ich fiir heute mich weg."

(Goeth e.)