Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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VI.

Bon der Stellung der Frau des Lehrers.

(Ein Vortrag.)

Hörten Sie, geehrte Anwesende, im vorigen Jahre an deinheutigen Festabend (Stiftungsfest des jüngeren berlinischen Lehrer-vereins) das Lob der Frauen verkündigen, so erlauben Sie nurheute einige Worte über deren Stellung. Stellung derFrauen! Vielleicht spricht mancher bei diesem Ausdrucke seuf-zend : Hätten wir Männer doch nur selbst erst eine Stellung, mitden Frauen würde es sich schon finden, aber wir selbst stehen undsitzen, arbeiten und mühen uns ab u. s. w.; was die Welt eineStellung nennt, haben wir nicht. Mt dieser Bemerkung ver-halte es sich, wie es wolle, ich sage: wie und auf welche Weise,in der rechten oder in der falschen Stellung der Lehrer denSchülern und Schülerinnen, den Eltern und dein Publikum gegen-übersteht, ob er das Rechte aus sich macht oder nicht: das hängtdem Wesen und Kerne nach von ihm allein ab, keine Be-hörde kann ihn vertreten, und kein Brief eS ihn: verbürgen.Ganz dasselbe gilt auch von der Stellung der Frau. Sie hatsich die rechte Stellung selbst zu geben. Dies fordern wir vonihr, darum reden wir davon. Welches die rechte Stellung sei,das eben wollte ich mit wenigen: darthun.

Ich rede nicht von der Frau oder Gehilfin des Mannesüberhaupt, sondern von der Lehrerfrau, von der Frau desLehrers, also auch nicht von ihren Pflichten als Frau über-haupt, sondern von ihren Pflichten als Lehrerfrau, oder wie ich,