Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
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schon sagte, von der Stellung der Frau des Lehrers. Das WortPflicht hat etwas Starres, Rauhes und Übelklingendes; manhält es dein vor, von dem man weiß, daß er nicht will, oder vondem man wenigstens nicht weiß, daß er will. Hier dürfen wirvoraussetzen: der (die) Hörende hat die rechte Gesinnung, er (sie)will das Rechte, man braucht ihn (sie) nur von dem Rechten zuüberzeugen. Darum reden wir nicht von der starren Pflicht,sondern von der freiwillig und frei einzunehmenden Stellung.Der wahre Mensch hat Gesetz und Regel des rechten Seins undThuns in sich.

Daß die Lage der Lehrerfran eine eigentümliche sei, bedarffür den keines beweisenden Wortes, welcher zugiebt, daß dieSituation, das amtliche oder Berufsverhältnis des Lehrers eineigentümliches sei. Und das wird niemand in Zweifel ziehen.Der Lehrer lebt und wirkt in ganz anderer Weise als der Kauf-mann, der Ackersmann, der Handwerker, selbst anders als derGelehrte und der Künstler. Die Stellung des Mannes bedingtdie Stellung der Frau. Sie steigt mit ihm hinauf, mit ihmhinab. Aber von diesem Äußerlichen rede ich nicht, ich rede vonden innerlichen Beziehungen. Da nun des Lehrers Thun undWirken ein spezifisch von allen andern Wirkungsweisen verschiedenesist, so nimmt auch seine Gattin eine besondere Stellung ein.Welches ist diese?

Der echte wahre Lehrer geht in seinem Geschäfte auf; es istsein Taggedanke, ist sein Traum. Er widmet sich ihm mit ganzerSeele, mit ganzem Gemüt und aus allen Kräften; er ist ganzLehrer, der ganze Mensch in ihm ist Lehrer. Sein Denken,Dichten und Trachten ist auf das Lehren, die Schule, gerichtet;er ordnet sich mit seinen Wünschen, Strebungen dein Lehrgeschäft,der Schule unter.

Erstens: Die Frau des Lehrers ordnet sich demLehrer unter.

Ihr Gatte ist kein Kaufmann, kein Künstler, kein Landwirt,sondern ein Lehrer. Sie hat einen solchen gewollt; sie hat dasbescheidene Los, das er ihr bieten kann, andern vorgezogen: sie ist(meinetwegen) stolz darauf, einen Lehrer und Erzieher der Jugend