Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
39
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er ist in ihm, wie es in ihm; sie sind identisch. Seine Er-scheinung nnd der Sache Erscheinung ist dasselbe. Gott hat nichtdie Liebe, sondern i st die Liebe. Dies gilt auch vom Menschen,vom Lehrer: Je mehr einer ist, desto mehr wissen auch andere vonihm. Nur wer an die Lehrer denkt und für sie wirkt, hat auchAnspruch darauf, daß die Lehrer an ihn denken nnd für ihn wirken.Nichtwollen, nichtthnn heißt: nichtexistieren.

3. Und wie soll denn der Lehrer für das Lebe» lehrenlernen? Etwa durch Absonderung von den Menschen, durch Aus-schließung von Lebenskreisen, z. B. von Gemeinde-Repräsentanten-versammlungen, durch die Nötigung nicht aus der Schule, nichtaus den Hauswänden herauszukommen? Warum waren denn diealten Lehrer, diese verknöcherten, sarb- nnd blutlosen, gespenster-haften Wesen, der Schrecken der Kinder? Statt des Lebens, wiees ist, hatten sie Worte und Silben, Schemen und Schablonen imKopfe, und man hatte ihnen die Einbildung aufgeredet, ihr vomLeben abgewandtes, abstraktes Lehren und Ermahnen sei dasMittel, Seelen für den Himmel zu gewinnen, dort werde ihnen(den Lohnknechten) auch alles reichlich vergolten werden. Die linkeHand soll aber nicht wissen, was die rechte thut. Wie bringtman den Menschen aus dieser abstrakten, unwahren, bodenlosenRichtung heraus, wie macht man ihn zu einem sehenden, wirk-lichen Menschen? Antwort: durch den Verkehr mit den Menschen,durch den Verkehr mit andern, die wirkliche Mensche», keine Ge-spenster sind, welche mit ihren eigenen Augen sehen, mit ihrenOhren hören, und sich vertrauen lernen, daß das wahr sei, wassie sehen. Die Welt lernt man nur kennen, wenn man dieAugen anfthut; sie zieht nur in den offenen Kopf hinein, nurdurch die Thore der Sinne. Wer das Leben nicht kennt, kannauch nicht für das Leben erziehen. Der Keim des Lebens ist aberder Mensch. Daruin gehört der Mensch unter die Menschen.Der Lehrer soll nicht für eine Abstraktion oder Negation erziehennnd bilden, sondern für die Zeit, die Gegenwart. Darum gehörter unter die Menschen seiner Zeit. Aus abstrakten, hohlen Rich-tungen kommt man nur heraus durch konkrete Erscheinungen undreales Handeln, durch Beteiligung an den Faktoren der Zeit,durch Thätigkeit. Wahrlich, die verstehen sich schlecht auf die