Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
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sicher sein, dich zu finden? In der Schenke, hinter dem Ofen oder wo? Wahres Sein ist Leben, wahres Leben Sein. DasThun folgt von selbst; aber man erkennt das Sein nur am Thun,an den Früchten. Die eigentliche Wahrheit ist keine theoretische,sondern sie ist praktisch; die wirklich gewordene, ins Leben gerufene,zu Fleisch und Blut gewordene Wahrheit ist die eigentliche Wahr-heit. Worte sind wohlfeil, kein Mensch glaubt ihnen mehr, ihrertausend wiegen nicht den kleinsten Gedanken ans, wir wollen alleaus ewig von ihnen dispensieren, endlich ist es Zeit znm Handeln.Zeige uns, was du willst und bist durch das, was du thust!Willst du ein Lehrer sei», handle als Lehrer, und laß dich findenunter den Lehrern! Oder fehlt dir das Interesse für solche Ge-sellschaft und Gemeinschaft? Dann fehlt dir der Lehrersinn, derLehrsinn. Das wirst du aber nicht zugeben, und darin hast durecht. Sei daher ein konsequenter, ein ganzer Mensch! Wofürman die Fähigkeit besitzt, dafür hat man Sinn, und wofür manSinn hat, dazu hat man auch Lust und Zeit.Was man nichtweiß, macht einem nicht heiß." Aber was man weiß, machteinem heiß. Wissen heißt denken und wolle». Der Sinn füretwas erzeugt das Wissen von ihm, selbst der abergläubische Sinn.Was wußte man nicht im Mittelalter von den Dämonen undihrem Wirken? Bonder Natur wußte man eben zu selbiger Zeitgar nichts, nicht weil sie keine Anlagen zur Naturforschung, sondernweil sie keinen Sinn dafür hatten. Mit dem Sinn für etwasverlieren sich die Kenntnisse von demselben, mit dem Sinn ent-stehen sie. Wofür man Sinn hat, das will man haben, das willman werden. Der Grad der Lust zu einem Dinge ist der Maß-stab für die Befähigung zu demselben. Sein und wollen undthnn sind in Menschen von Charakter, in ganzen Menschen einsund dasselbe. Den Unterschied von Theorie lind Praxis könnensie zwar denken, aber nicht in sich und durch sich darstellen. WoCharakter ist, da ist Wahrheit, Ganzheit, Religion. Der Hanpt-gegenstand des Herzeus ist auch Hauptgegenstand des Kopfes.Diese Sätze wende der Lehrer auf das Thun und Lassen der Lehrer,auf sein eigenes Thnn und Lassen an! Von wem niemand etwasweiß, der ist auch nichts. Je »lehr einer ist, desto »lehr giebt ersich dein hiil, was er liebt, er ist nicht getrennt von demselben,