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Unglauben. Alsdann ist jener im Wesen nichts anders alsAberglaube, schlechthin wertlos und nichtig. Wahre Religiositätist die lebendige, praktische. Wenn daher zwei Menschen indieser übereinstimmen, so mögen sie über religiöse Theorien undProbleme, über die Lehren, welche, wie die sich rechtgläubigNennenden selbst lehren, sür jeden ewig Geheimnisse (Gcheimnis-lchrenj bleiben, verschiedene Meinungen hegen, so ist das an undfür sich gleichgültig, jeder hat die Meinung des andern anzu-erkennen, mit voller Gerechtigkeit zu dulden, weil jeder gleicheBerechtigung dazu hat. Auf verschiedenen Standpunkten, ver-schieden durch Erziehung, Intelligenz, Temperament und .Kulturüberhaupt, ist es ganz unmöglich, in einerlei Weise über trans-cendente Dinge zu denken, die Verschiedenheit liegt in der Naturder Sache, ist folglich gut. „Eine vollkommene Übereinstimmungist hier ein Unding," bekennt Friedrich Wilhelm III. Nichtder ist der Religiöseste, der den meisten oder tiefsten theo-retischen Glauben hat, sondern dessen Glaube das meiste in ihmwirkt. Mit den Meinungen, wie mit allen praktischen Begriffenund Marimen geht es in betreff des Geistes, wie dem Leibemit den Nahrungsmitteln. Wie dasjenige ihm am zuträglichstenist, das ihn am kräftigsten belebt und nährt: so ist die Über-zeugung sür ihn die beste, die ihn am vorzüglichsten befähigt,sich in seinen: Berufe und Leben den Kämpfern fürs Gute zuzu-gcsellen. Eine Überzeugung, die das nicht bewirkt, ist wurm-stichig in sich. Kurz, es giebt keinen andern Maßstab zur Be-urteilung des iuueru Wertes eines Menschen, als den: „Anihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Jeder Menschist an seine Überzeugung gewiesen, ihr ist er verpflichtet, nachihr muß er gerichtet werde», nach ihr richtet sich der lautereMensch selbst. Wie keiner das Recht hat, einem andern seineÜberzeugung aufzudrängen, so hat keiner das Recht, den andernnach der Überzeugung, die er (der Richtende) hat, zu beurteilen.Einem andern zumuten, gegen seine Überzeugung etwas an-nehmen und sür wahr halten, ist die höchste Beleidigung.Aus solch Ansinnen eingehen, ist die allertiefste Nieder-trächtigkeit. Der Mensch darf schlechterdings nichts thun