oder glauben, was seiner Überzeugung widerspricht. Einemandern Vorwürfe darüber machen, daß er sich zu unserer Über-zeugung nicht bekennen will, ist die höchste Stufe des Hoch-muts und der Anmaßung. Ihn nun noch gar beschuldigen,daß er sich absichtlich gegen die Wahrheit verstocke, ist einförmliches Attentat, ist Lästerung. Denn es heißt, denandern der Teufelei beschuldigen. Man kann und darf nurdem folgen, was man für wahr hält. Jeder fällt undsteht seinem Gott. Das ist protestantische Meinung, auf dieder Mensch oder Protestant nicht nur vermöge eines unveräußer-lichen innern Rechts, sondern auch durch die in blutigen: Kampfemit der geistdespotisierenden Hierarchie errungene Gewissensfreiheitein unbestreitbares äußeres Recht hat. In praktischer Religiositätvereinigen sich alle wahren Menschen aller Länder und Zeiten;eine völlige Übereinstimmung in theoretischen Ansichten über dieunsichtbaren Dinge bleibt ewig — eine Chimäre.
Diesterweg. Ausgew. Schriften. 2. Ausl. N.