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2 (1890)
Entstehung
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II.

Ä6er die Verschiedenheit der Menschen.

Die Menschen zeigen eine unendliche Verschiedenheit in ihremHandeln, wie in ihrem Sein. Dieses ist Thatsache; wie ist siezu erklären? Rührt diese Verschiedenheit allein her ans derVerschiedenheit der Einwirkung, der Umgebung, der Schicksale?

Unsere Meinung ist die entgegengesetzte. Wir sehen ansderselben Familie die verschiedenartigsten Kinder hervorgehen;wo die beabsichtigte Erziehung von denselben Menschen in gleicherWeise oder wesentlich gleicher Weise, in derselben Natur, untergleichen Schicksalen auf Kinder einwirkte: dennoch die ungleichstenProdukte. Das eine zeigt schon in den ersten Monaten eineandere Natur als das andere. Selbst Zwillinge sind oft un-endlich verschieden. Mancher Dummerjan war schon als kleinesKind ein kleiner Dummkopf und bleibt es, der besten Erziehungzum Trotz, zeitlebens. Also, wo wir äußerlich keine Unter-schiede gewahren, finde» wir sie innen. Hier müssen wirannehmen waren ursprüngliche Grundverschiedenheiten, un-gleiche Anlagen, Verschiedenheit des Angeborenen! Woher dieses?Das zu beantworten, ist unsere Aufgabe nicht. Um einer Theoriewillen kann man Gleichheit der Anlagen und folgerecht Allmachtder Erziehung annehmen, aber die Erfahrung straft unsere TheorieLüge. Was dem Kind nicht in der Anlage gegeben worden,kann durch keinen Erzieher hineingebracht werden. Manche An-lage ist so schwach, daß es sich gar nicht der Mühe verlohnt, sieausbilden zu wollen. Was ein Mensch wird, leiten wir von

Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aust. II. 2