Druckschrift 
2 (1890)
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hört es nicht selten beklagen, daß wir die Jngend nicht mehr soerziehen, wie sie früher erzogen wurde; aber in der Regel liegtdarin nicht nur Verkennung auch des Besseren der Gegenwart,sondern auch offenbarer Unverstand, indem wir unsere Kindergar nicht mehr so erziehen können, wie wir erzogen worden sind,selbst wenn wir es wollten. Die veränderten Wellverhältnissewirken auf die Gestaltung des Lebens, des Hauses und selbstder Schule zu mächtig ein, als daß ein lebendiger Mensch sichdagegen verschließen könnte oder dürste. Mit dem Leben sollsich die Erziehungsweise ändern; wir sind unfähig, es zu hin-dern; folglich ist es Unverstand, es zu wollen. Also hat derLehrer sich mit seinem Bewußtsein an die Gegenwart anznschließen,sich von den in ihr erwachten lebendigen Kräften durchwehen underregen zu lassen. Der Anblick jedes Mannes, der hinter seinerZeit zurückgeblieben, ist ein kläglicher; die Erscheinung gar einesLehrers der Jngend, der in vergangenen Zeiten lebt, erwecktdas Mitleid aller in ihrer Zeit lebenden und mit ihren Zeit-genossen denkenden Menschen.

7. Das Lehrerbewußtsein des Lehrers, nämlichdes deutschen, besteht auch darin, daß ersich als deutscher Lehrer, als Glied seinerNation*, als Erzieher deutscher Jugendfühlt und weiß.

Die Leser erwarten es nicht von mir, daß ich mich bemühenwerde, ihnen die Verachtung oder den Haß des Auslandes auf-reden zu wollen. Der deutsche Sinn, die Liebe zum eigenenLand, der deutsche Patriotismus hat mit diesen den Menschenentehrenden Gesinnungen nichts zu schaffen. Aber die Liebe zumVaterlande, die innige Verbundenheit mit dem deutschen Landeund seinen Geschicken, kurz die deutsche Gesinnung erwarten wirvom Lehrer der deutschen Jngend. Wir gönnen jedem Gliedseiner andern Nation die Hinneigung zu seinem Lande und dessen

* In der Einleitung ist davon zwar schon, aber im allgemeinen, ge-sprochen worden. Der Lehrer und Erzieher soll die bessere Eigentümlichkeitseiner Nation ganz besonders, mit bewußter Absicht, in sich pflegen. Darumist hier davon »och im besonderen die Rede.