Zur Arbeiterfrage (Die Waldenburger Deputation). 1-87
Herrn Abgeordneten Neichenheim hier, von der Tribünedieses Hauses her, mit der Bezeichnung der „Lüge" ge-brandmarkt wird, der Ansdruck scheint mir hart! DieLeute sind im Irrtum über die Quelle ihrer Leiden.Sie stlchei: sie in der speziellen Verfassung der Fabrik,in der sie arbeiten; ihr Horizont reicht vielleicht nichtüberall weit genug, tim zu erkennen, daß ihre Ent-behrungen vielmehr das Resultat der sozialen Lage sind,iit der sich der Arbeiterstand überhaupt befiudet, undich wiederhole gern, was ich neulich aussprach und wasder Abgeordnete Neichenheim gestern, wie ich höre, da-hin formuliert hat, daß seiue Arbeiter nicht schlechtergehalten würden, als die seiner meisten Berufsgenossen.Aber ich frage, mit welchem Rechte hätte ich diesen Leutenden Weg zum Throne versperren sollen?- Es scheintmir aus dein, was ich über die gestrige Aeußerung desHerrn Abgeordneten gehört hatte, fast, als ob ihm gegen-über die Krone einer Rechtfertigung bedürfe, wenn sieder Stimme des Armen ihr Ohr leiht. Die Königevon Preußen sind niemals Könige der Reichenvorzugsweise gewesen; schon Friedrich der Großeals Kronprinz sagte: „Hand so sorui roi, ,so ssrai uvvrai roi des Aveux," ein Köttig der „Geusen". Ernahm sich den Schutz der Armut vor. Dieser Grundsatzist von unfern Königen auch in der Folgezeit bethätigtworden. An ihrem Throne hat dasjenige Leiden stetsZuflucht und Gehör gefunden, welches entstand in Lagen,wo das geschriebene Gesetz in Widerspruch geriet mitdem natürlichen Menschenrecht. Unsre Könige haben dieEmanzipation der Leibeignen herbeigeführt, sie habeneilten blühenden Bauernstand geschaffen; es ist möglich,daß es ihnen auch gelingen werde — das ernste Be-