Druckschrift 
2 (1885) Der Ministerpräsident v. Bismarck-Schönhausen : 1862 - 1866
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186 Bis zum Kriege mit Oesterreich. 1865—1866.

Lassen uns Em. Majestät zu unsern sehnsüchtig undin tiefer Herzensangst hierher schauenden Brüdern undFamilien nicht ohne ein Wort der Gnade, ohne dieAussicht auf Ew. Majestät Schutz und eine Verbesserungunsrer Lage zurückkehren."

Diese Bittschrift ist von drei Arbeitern unterschrieben,denen etwa 200 mit folgenden Worten ihre Vollmachtbeifügen:

„Die Unterzeichneten bevollmächtigen die Depu-tierten, die Interessen der Fabrikarbeiter der DistrikteWüstegiersdorf und Tannhansen bei Sr. MajestätUnserm Allergnädigsten Herrn und Könige bittweisezu vertreten und versprechen zugleich, im Falle derNotwendigkeit, Zeugen der Wahrheit unsrer speziellenBerichte über Verdienste und Bedürfnisse sein zu wollen;dabei erlauben wir uns auch zu bemerken, wie früherdiese Fabrikherren, und das ist auch jetzt der Fall,durch Gemaltmaßregeln, d. h. Einschüchterungen,Drohungen, Versprechungen auf viele Arbeiter einenüblen Einfluß ausüben, und wie sich schon jetzt vielefürchten, eine Unterschrift für die Sache der Wahr-heit und Gerechtigkeit zu geben."

Ich will nicht an den Satz appellieren, daß auszweier Zeugen Mund die Wahrheit kund werde, unddaß diese Petition und Vollmacht von gegen 200 Ar-beitern mit ihrer Namensunterschrift vollzogen ist. Ichwill gern zugeben, daß das Elend zu Uebertreibungengeneigt ist. Es geht mir das am allerdeutlichsten ausden vielen, bei mir täglich eingehenden Bittschriften her-vor. Ein jeder, der Hilfe sucht, ist geneigt, seine Lagemöglichst schwarz, seine Bedürfnisse möglichst grell zuschildern; aber daß der Notschrei der Armut von dem