Druckschrift 
Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
Seite
589
Einzelbild herunterladen
 

sind neben A. die Hauptflnsse des Gebietes. DasKlima des A.-Gebietes wechselt zwischen überausstrengen Wintern u. sehr heißen Sommern, u. dieExtreme der Temperatur liegen oft nm mehr als60" K. aus einander; dies gilt besonders von demoberen Laufe des A. und znm Theil von seinerMündung, die von October bis April zngefrorensind; ini mittleren Laufe desselben ist das Klimagemäßigt, u. in der Umgegend des Chaeta-Sees imUssnriland (dem südlichen Theil des Küstengebietes)ist es selbst milde. Der Boden des südlichen Theilsist fruchtbar, bedeckt mit schönen Wiesen u. pracht-vollen Laubwäldern, die einen unerschöpflichenReich-thum an Nutzhölzern: Eichen, Linden, Ahornen,Ulmen, Eschen, Walnnßbämnen bergen. Das Landist ungemein reich an Wild n. Pelzthieren, die Ge-wässer sind sehr fischreich, besonders an Stören n.Lachsarten, sowie an einer großen, weißen Del-phinart im Amur; an Metallen ist kein Mangel,selbst Gold hat man gefunden in beträchtlichenLagern in den Ausläufern des Jablonoigcbirgcs,dessen Ausbeutung seit 1865 freigegebcn ist; auchgroße Steinkohlenlager sind vorhanden (besondersauf der Insel Tarrakai); das Land ist demnach nichtnur für Ackerbau und Viehzucht trefflich geeignet,sondern bietet auch Aussicht auf weitere Erwerbs-zweige, aber es ist noch äußerst dünn bevölkert u.deshalb ans Colonisation von außen her ange-wiesen. Daß dieselbe bisher noch wenig Erfolgaufweisen kann, liegt vielfach in der Willkür derBerwaltnngsbeamten gegen die Colonistcn. Nurin einigen Gebieten der Amnrprovinz und in dendrei Kreisen des Küstcnbezirkes (s. u.) machte dieColonisation Fortschritte. Die Eingeborenen ge-hören dem Tnngnsischcn Stamme an, im Küsten-gebiete finden sich Ghilem oder Giljaken, die No-madismen n., wie die Tnngnsen, Jagd- n. Fisch-fang treiben. Europäer finden sich in verschiede-nen Stationen den Amur entlang zerstreut undebenso Chinesen in 44 Ansiedelungen auf demlinken Ufer des A. unterhalb Blagoweschtchensk.Nach der politischen Eintheilung zerfällt das Ge-sammtgebiet in die A-provinz, 282,416 sIem(5129 UM) mit (1869) 28,700 Ew., u. in die zudersibirischenKüstenprovinz(PrimorskischenProvinz)gehörenden Kreise: Nikolajewsk, Sofiesk u. Ussnri,die einschließlich der Insel Tarrakai n. der Schantar-Jnscln 434,453 fHIcm (7890 f^M) mit (1869)30,194 Ew., worunter 16,619 Russen u. 13,575Nicht-Russen, umfassen; zns. also 716,869— 13,019 H>M, mit 58,903 Ew., wozu noch 5000Mann russ. Truppen u. 10,646 chincs. Untcrthanenzu zählen sind. Diese Einwohnerzahlen sind aus demRechenschaftsbericht der Commission geschöpft, welche1869 unter Admiral Skolkowa die Landstriche amA. untersuchte (vgl. Jstwestija der K. rnss. Geogr.Gesellschaft, Bd. vIII. Nr. 8, St. Petersb. 1871).Die wichtigeren Orte sind: Blagoweschtschensk mit3344, Nikolajewsk mit 5300 Ew.; die 1858 vonGustav Radde gegründete Stanitza Radefka hattei. 1.1869 bereits 443 Ew. An der Ussurimündnngwurde von den Russen die Stadt Chabarowka an-gelegt und nach dem ersten tapfern Eroberer derA-region benannt. Die Cnltnrlosigkeit des Landes,sowie der Umstand, daß der A. einen großen Theildes Jahres zugefroren ist u. die Russen die Aus-

Amur. Ü89

fuhrartikel mit Zöllen belegen, haben verhindert,daß der Handel bisher Bedeutung gewonnen hat,doch wird derselbe sich jedenfalls günstiger gestal-ten, wenn es der russischen Regierung gelingt, vonChina den freien Verkehr mit der Mandschurei zuerlangen. Die wichtigsten Handelsorte sind bis jetztNikolajewsk und Wladiwostok, das zugleich der be-deutendste Hafenort ist u. in welchem bereits meh-rere russische Handlungshänser etablirt sind. Seit1871 reicht eine theilweise schon im Jahre 1867vollendete Telegraphenlinie von Nikolajewsk nachChabarowka und von da südlich nach Wladiwostokmit zwei Drähten, von wo sie einerseits unter-seeisch nach Nagasaki und China, anderseits aberdurch Sibirien nach Europa (Petersburg rc.) führt;sie dient zugleich als ein Glied jenes Telegraphen-gürtels , der vom Großen Ocean nach San Fran-cisco, durch Amerika, den Atlantischen OceanEuropa u. das nördliche Asien um die Erde reichtAuch hat bereits ein reger Dampfschiffverkehr ansdem Lürome seinen Anfang genommen.

Die erstenNachrichtenvomA-landekamennm 1640durch Kosaken nach Rußland u. veranlagten eine Reihemehr oder weniger erfolgreicher Ranbzüge, die zvlangwierigen n. blutigen Kämpfen mit den Chinesenführten. Der Friede von Nertschinsk (1689) sicherteden Chinesen das ganze Gebiet zu. Im Jahre 1849nahm Graf Nikolai Mnrawjew, Generalgonvernenrvon OSibirien, die alten Pläne wieder ans. Bis1853 beschränkte er sich darauf, die Küsten nnier-snchen zu lassen u. einzelne Punkte zu befestigen,wie Mariinsk u. Nikolajewsk, das in: Iah'" "or-her gegründet worden war. 1854 sandte - einebedeutendere militärische Expedition von Schil-kinskoi-Sawod ab, die den dauernden Grund fürdie russische Herrschaft legte. Durch die Übersie-delung der früher zu Peter-Paulshafen in Kamt-schatka stationirten Kriegsschiffe nach Nikolajewsk,in Folge des Krieges mit den Weltmächten 1855,gewann die Colonie bedeutend, doch nahm dieWichtigkeit des Hafens selbst wegen ungünstiger localer Verhältnisse eher ab als zu, da die meistenSchiffe es vorzogen, an der weit günstiger gele-genen Castriesbai (51° n. Br.) zu landen. DieChinesen halten diesen Unternehmungen, wie auchdrei späteren Expeditionen weiter abwärts, keineSchwierigkeit in den Weg gelegt. Durch Ukä- vom31. Oct. 1856 wurden die früheren ProvinzenOchotsk u. Kamtschatka init dem unteren A-gebieteunter dem Namen Küstenprovinz von OSibirienvereinigt und später unter dieselbe die drei oben-genannten Kreise gestellt. 1857 ging der AdmiralGraf Putjatin nach China, nm die förmliche Ab-tretung des A-landes zu erlangen. Der Gouver-neur von Aignn Unterzeichnete 1858 den Vertrag,wurde aber zur Strafe dafür enthauptet. Der Bei-trag von Aignn wurde jedoch am 13. Juni durcheinen Handelsvertrag bestätigt, den Graf Putjatinin Tien-tsin abschloß. Die Grenze zwischen Chinau. Russisch-Asien wurde aber erst durch einen Ver-trag festgesetzt, den der General Jgnatjew mit demPrinzen Kong am 14. Novbr. 1860 zu Pekingschloß. Vgl. v. Schrenck, Reisen u. Forschungenim A-land 1854—56, 4 Bde., Petersb. 1858; Col-lins, blxploralion ok llinoor Rivgr, Wash. 1858,u. Desselben A. VoxaZs ckcnvnbiis ^.moor sie., New"