434
Alken — Alkibiades.
nach hinten gerückten Beine eine eigenthümliche,außer ihnen nur noch den Tauchern u. Pinguinenzukommende Tracht erhalten: in der Ruhe hockensie mit fast senkrecht aufgerichtetem Körper u. ver-mögen auch nur in dieser Stellung zu gehen. Da-gegen schwimmen sie mit den Flügeln unter demWasserspiegel vortrefflich u. bedienen sich ihrerBeine fast ausschließlich zum Rudern. Außer derForlpflanzuugszeit verlassen sie selten das Wasser,dann sitzen sie zu Tausenden auf den steil demMeere entsteigenden Felsen, sogenannten Vogel-bergen. Sie leben in nordischen Meeren, ihr süd-lichster, noch schwach besetzter Vorposten ist Helgo-land. Sie legen meist nur ein, verhältnißmäßiggroßes, birnsörmiges Ei; ihre Jungen füttern sieim Neste auf; sie leben von Fischen und Krebsen.Zur Brutzeit sind sie leicht zu erjagen undwerden nebst ihren Eiern von Len Nordländernin Menge gesammelt und als Nahrung für fastdas ganze Jahr aufgespeichert. — Dazu nament-lich die Gattung Alk (Lies L.), mit seitlich quer-gefurchtem Schnabel. Der Brillen- oder Riescnalk(L. imponuis ckb.), auf Island, ein stattlicher, circa80 ein langer Vogel; Oberseite glänzend-schwarz,Kehle braun, Flecken am Kopfe, Saum der Arm-schwingen u. Unterseite weiß. Er lebte im Nördl.Eismeer, wo ihm allzu eifrig nachgestellt wurde,und ist in Folge davon, doch erst in diesem Jahr-hundert, ansgerottet worden. Der Elsteralk (^..torcks T,.), im Nordatlantischen Meere u. der Nord-see; 45—48 em lang; oben und am Vorderhalfeschwarz, Zügelstreif u. Saum der Armschwingen,sowie Brust u. Bauch weiß. Ferner der Papagei-taucher (Lund, Normon krstsrouis L'eMM.), diedumme Lumme (Uris troils 2ismm.), die Leiste (UrisM'Us Uun.), der Krabbentaucher (Llsr^ukus sils^/.) u. a. sind die hauptsächlichsten der hierher ge-hörenden jetzt lebenden Arten, von denen im Wintereinige selbst die Nord- u. Ostseeküsten besuchen.
Älken, Df. im Kr. St. Goar des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, an der Mosel; Weinbau, Eisenerz-lager; 600 Ew.; Ruine des Schlosses Thurant,1107 vom Pfalzgrafen Heinrich erbaut, um 1246Raubsitz des Pfalzgrasen Zorn, dessen Sage nochfortlebt, 1246 bis 1248 von den Erzbischöfen vonKöln n. Trier belagert, im 30jähr. Kriege zerstört.
Alkentzer (Unter-Broddorf), Dorf im sieben-bürgischen Kr. u. Bez. Broos; 1070 Ew. Dabeidas sogenannte Brodfeld mit den Ruinen der znmAndenken an den Sieg (1479) der Siebenbürgenn. Ungarn über die Türken von dem WoiwoüenBathori erbauten Kapelle.
Alkcrmes, s. Kermes.
Alkcstc, 4) Tochter des Pelias, Königs vonJolkos, und der Anaxibia, Gemahlin des Adme-tos, für den sie sich freiwillig dem Tode preis-gab; s. Admetos. Sie wurde von Persephonezur Belohnung ihrer Tugend aus dem Schatten-reiche zurückgesandt. Ihre Aufopferung ist derGegenstand der Tragödie Alkestis von Euripides,2) Der 124. Planetoid, von Peters in Clinton 23.August 1872 entdeckt.
Alkibiades, Athener, einer der berühmtestenMänner des hellenischen Alterthums, geb. im I.451V. Ehr. (Olymp. 82.2) ; warder Sohn des Kümosund durch seine Mutter, die Alkmäonide Dinomache,
auch mit dem großen Perikles verwandt, in dessenHause A. nach seines Vaters Tode 447 (im Kriegegefallen) erzogen wurde. Einer der reichsten jun-gen Athener, war A. auch einer der schönstenMänner seiner Zeit; seine Anmnth bezauberte nichtnur die Frauen, sondern Jahre lang auch dasleicht bewegliche Volk von Athen; sogar der strengeSokrates wurde sein Freund, ohne daß es ihm(ebenso wie dem Perikles) gelungen wäre, den A.dauernd zu sittlichem Ernste zu erziehen, so daßder Athenische Staat des Gewinnes, den ihm dieausgezeichnete strategische u. politische Begabunghätte bringen können, großentheils verlustig ging.Neben sinnlichen Ausschweifungen der Herrsch-sucht maßlos ergeben, erleichterte ihm eine unge-wöhnliche geistige Elasticität seine Erfolge. Hatte A.als junger Edelmann mehr den socialen Gegensatzgegen die bürgerliche Demagogie des Kleon gebildet,so übernahm er nach Kleons Tode (422 v. Chr.)mit dem Ausgange der ersten Phase des Peloponne-sischen Krieges die Führung der Demokratie inAthen gegenüber der aristokratisch-conservativen u.spartaner-freundlichen Politik des Nikias. NachAblauf mehrerer vielbewegten, für ihn aber resultat-losen Jahre auswärtiger Politik bewog er im I.
415 die Athener zu dem Wagniß eines Kriegesim großen Stil gegen Syrakus zuin Zwecke derEroberung von Sinken. Bevor er noch mit sei-nen Mitfeldherren Nikias u. Lamachos etwas Grö-ßeres in Sinken unternehmen konnte, setzten seinezahlreichen Feinde in Athen seine Abberufungvom Oberbefehl durch, um ihn wegen angeblichvor seiner Abreise verübten Religionsfrevels vorGericht zu stellen. Den zuerst gegen ihn gerich-teten Verdacht wegen Mitschuld an der in derNacht vom 10./11. Mai 415 verübten Zer-trümmerung der Hermessäulen in Athen hatteman zwar fallen lassen; dafür war er aber derVerhöhnung der Eleusinifchen Mysterien angeklagt.
Mit gutem Grunde für seinen Kopf bangend,floh A. im Aug. 415 nach Elis, dann nach Argos,n. nachdem er in Athen als Mysterienschänderznm Tode verurtheilt und durch die Eumolpiderrfeierlich verflucht worden war, Ende 415 nachSparta, dessen Volk er racheglühend zum Kriegegegen Athen aufreizte, wodurch er indirect Urheberder furchtbaren Niederlage der Athener vor Syrakus(September 413) wurde. Nachdem die Spartanerden Krieg gegen Athen in Dckeleia und Attikaselbst seit Anfang 413 eröffnet hatten, bewog ersie im folgenden I., auch den Krieg in Jonien zubeginnen und mit dem Perser Tissaphernes einBünduiß zu schließen. Durch die Verführung derGemahlin des Königs Agis in Mißachtung gerathenu. vom Neide der spartanischen Feldherren bedroht,floh A. im Octbr. 412 zu Tissaphernes. Indemer diesen darauf hiuwies, daß Persiens wahresInteresse darin bestehe, die griechischen Hauptmächte ?sich einander gegenseitig schwächen zu lassen, mäßigteer dessen bisherigen Eifer in der Unterstützung derSpartaner u. wußte sich, gestützt auf den bei denPersern erlangten Einfluß, wieder Anknüpfungs-punkte in dem Athenischen Heerlager zu Samos ^zu verschaffen, u. als im April 411 die oligarchischeuPatricier in Athen die Demokratie gewaltsam ge- 'stürzt hatten und das demokratische Heer sich für