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Bd. 1 (1875) A - Arabische Religion
Entstehung
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Alchemie.

um weiter arbeiten zu können, wurden Betrüge-reien u. Verbrechen aller Art nicht mehr gescheut.Wer in der Meinung Anderer in den Verdachtkam, Adept zu sein (von ackipwei, erlangen), d. h.das Geheimnis) der Metallverwaudlung wirklicherforscht zn haben u. zu besitzen, war vor Neidernseines Lebens nicht mehr sicher, u. zu diesen Nei-dern gehörten besonders auch die Fürsten, die sichgegenseitig einen so seltenen u. für die stets leerenStaatssäckel so nützlichen Vogel wegzufangen such-ten, damit er im Kerker seine goldenen Eier lege.Schon früh hatte man diese nachtheiligen Folgender A. erkannt, u. doch erhielten sie sich mit ihrerUrsache bis in die 2. Hälfte des vorigen Jahrhun-derts. Schon 1317 hatte Papst Johann XXII.durch eine Bulle die Goldmachesncht verdammt,aber dies half so wenig, wie spätere schwache Ver-suche, dem Übel Einhalt zn thnn. Betrug allerArt, absichtlicher und Selbstbetrug, wucherte nachallen Seiten üppig ans, und die Falschmünzereinahm stetig überhand; ja, Heinrich VI. von Eng-land ging um 1450 selbst unter die Falschmünzer,während sein Vorgänger Heinrich IV. 1404 alche-mistische Beschäftigung bei schweren Strafen ver-boten batte. Das Eifern Einzelner gegen dieMöglichkeit einer Metallverwandlung vom Stand-punkte der Wissenschaft verhallte im allgemeinenGeschrei nach Gold.,, Wenn Melanchthon mit sei-nen gegentheiligen Äußerungen bei den Alchemistenkeine Wirkung hatte, so ist das nicht zu verwundern:er wurde als außer der Zunft stehend einfach nichtbeachtet. Aber auch andere kompetentere Schrift-steller eiferten gegen die A. Doch mehrten sie sicherst im 17. Jahrh., ohne aber ans die große MasseEinfluß gewinnen zu können. War doch kaum derBeweis zn führen, daß Gold überhaupt nicht künst-lich dargestellt werden könne; u. wenn auch Tau-sende von Betrügereien nachgewiesen waren, sokonnte doch nicht bei jeder behaupteten Metallver-wandlnng der Beweis eines vorliegenden Betrugesbeigebracht werden.

Dies führt uns auf die Anschauungen vomWesen der Materie, welche der A. zu Grundelagen und dieselbe ermöglichten. Die vier altenAristotelischen Elemente: Feuer, Wasser, Luft undErde, sollten nur die physikalische Verschieden-heit der Körper, die Grundzustände der Materierepräsentiren; durch ihr Zutreten zn der an sicheigenschaftslosen Materie wurden dieser erst ver-schiedene Eigenschaften verliehen. Daß die chemi-schen Eigenschaften, welche den Unterschied der ver-schiedenen Stoffe bedingen, etwas diesen Stoffenselbst Znkonnnendes seien, war damals (und nochviel später) ganz unbekannt, und nur dadurch istes erklärlich, daß überhaupt die A. sich entwickelnn. ausbreiten, konnte. Man glaubte eben, daß essich nur um Änderung der Eigenschaften, nicht derSubstanz der Metalle handeln könne. Solche Än-derungen waren aber schon in früher Zeit bekannt.Das Kupfer konnte sich durch Einwirkungen ge-wisser Substanzen goldgelb, durch andere silber-weiß färben. Man stellte sich diese Änderung etwain der Art vor, wie harter Stahl in weichen n.umgekehrt verwandelt werden kann. Und wennauch die Elemente des Aristoteles bei der Weiter-entwicklung der A. in den Hintergrund traten, so

wurden sie doch nur ersetzt durch ähnliche einge-bildete Repräsentanten physikalischer Eigenschaften.,Indem Geber u. der Arabischen Schule das Queck-silber als Repräsentant des Glanzes, der Geschmei-digkeit u. Schmelzbarkeit, der Schwefel als Reprä-sentant der Veränderlichkeit durch Feuer, der Brenn-barkeit, galt, wurde von ihnen angenommen undgelehrt, daß diese Eigenschaften der Metalle durcheinen Gehalt an Quecksilber u. Schwefel bedingtseien, daß diese demnach in den verschiedenen Me-tallen in verschiedenem Mengenverhältniß und inverschiedener Reinheit enthalten seien, u. daß dieMetallverwandlung durch Abänderung dieser Ver-schiedenheiten bewirkt werden könne. Und als dieseArabischen Elemente für die Ausführung des un-möglichen Problems nicht ausreichten, nahm manvon Basil. Valentinns an noch das Salz als wei-teren Bestandtheil dazu, ohne deshalb weiter kom-men zu können.

Auch Paracelsus (1493 bis 1541) steht ganzans diesem Standpunkte und spricht ihn klarerals seine Vorgänger aus. Bei dem Brenneneines Körpers erkennt man dessen Gehalt anSchwefel, denn nur dieser ist brennbar; was weg-raucht, ist Quecksilber, denn mir dieses ist, ohnezn verbrennen, im Feuer flüchtig; die Asche, diezurückblcibt, ist Salz. Ganz wesentlich aber unter-scheidet er sich von seinen Vorgängern dadurch,daß er nicht die Goldinacherei als Hauptaufgabeder Chemie ansieht, sondern die Bereitung vonHeilmitteln und das richtige Erkennen der Krank-heitserscheinnngen. Er war somit der Vater derJatrochemie (s. d.) oder medicinischen Chemie,aus welcher sich sehr allmählich die moderne Chemieentwickelte. Welche Stellung Paracelsus zur Gold-machern cinnahm, ist nicht recht klar. Wahrschein-lich seit dem 9. Jahrh., gewiß seit dem 11. Jahrh.,ist der Name Stein der Weisen im Gebrauch; auchdas große Elixir (von alixare, absicden), das großeMagisterinm (Meisterstück), die rothe Tinctnr rc.wird die Masse genannt, die mit dem eifrigstenBemühen von den Alchemisten gesucht wurde. Jenach seiner größeren oder geringeren Vollkommen-heit sollte der Stein der Weisen entweder alleMetalle in jedem Mengenverhältniß in Gold oderdoch wenigstens in Silber verwandeln können, odernur eine begrenzte Menge eines bestimmten un-edlen Metalls. Gewöhnlich wird ein rothes odersafranfarbcnes oder graues Pulver mit diesem Na-men bezeichnet, das auf das geschmolzene Metallgestreut, oder in Wachs eingcschmolzen darauf ge-worfen wird. Die wunderbarsten Eigenschaftenwerden dem Sieiuc der Weisen zngcschrieben: sosoll er biegsam wie Harz und zugleich spröde wieGlas sein. Merkwürdig ist auch die gewichtver-mehrende Kraft, die demselben zngcschrieben wurde:so sollten 3 Loth Quecksilber mit 1 Gran desSteines 5 Loth Gold erzeugen können. Andereübertrieben die Gcwichtsvermchrung noch viel mehr.Eine Masse aber, dw solche Metallveredlnng bewir-ken konnte, mußte auch heilend, stärkend und ver-jüngend ans den menschlichen Körper einwirken;daher wurde der Stein der Weisen denn auch alsdie große Panacce gepriesen. Schon im 8. Jahrh.tritt diese Idee ans. An Betrügern fehlte es auchda nicht, die sich mit Hilfe der großen Panacee