oberflächliche und vorübergehende Zeitrichtungcn nicht enthalten.Unter allen Unterrichtsgegenständen schreibt man vorzugsweiseder Naturkunde eine religiöse Wirkung zu. Die tieferen Geistererwarten sie als eine Frucht derselben, die oberflächlichen ver-meinen sie durch frommen Aufblick, durch Bibelstellen und religiösklingende Stichwörter heiligen zu müssen. Ist es keine Religion,es muß wenigstens so klingen. Was haben wir davon zu halten,was ist Wahrheit? Nur sie allein besteht in der Untersuchung,nur sie verträgt sich mit wirklicher Religiosität, alles andere istSchein und Trug. Von dein Lehrer, dein wahren, eigentlichen,wirklich religiösen Lehrer erwarte ich, daß er ein solcher Feindaller Ostentation, alles Forcierten und Erkünstelten, alles Scheinessei, daß er, was religiöse oder religiös klingende Äußerungen be-trifft, eher zu wenig thue als zu viel, daß er eine solche Schellvor frommem Schein habe, daß er es sich viel lieber gefallenlasse, an einer Stelle oder in einer Beziehung für irreligiös zugelten, als daß man ihm dieses Prädikat beilege, wo er es nichtverdient. Die wahre Religiosität eines Menschen ist ein Ge-heimnis, das Geheimnis seines Herzens; die tiefste ist nicht nurder Welt, sondern ihm selbst ein Geheimnis. Wahrhaft in derUnschuld lebt der, der von der Unschuld nichts weiß. Wer siekennt, ist schon nicht mehr darin, wer sie definiert, ist wenigstensim Bewußtsein, in das Gegenteil eingerückt. Gerade so verhältes sich mit der Religiosität. Mißtrauisch bin ich daher überall,ivo man Geschwätz mit ihr treibt; ich suche sie da nicht, wo mansie sucht, sich mit ihr etwas weiß. „Wollte Gott, wir übten siealle, und spräche kein Mensch mehr davon." (Schiller.)
Weg mit allem Forcierten! Weg mit dem Versuch, nicht nurin den Buchstaben, sondern in dem Lehren der Buchstaben, in derZahlen- und Raumlehre ein religiöses Element aufzufinden! Mitreligiöser, d. h. ernster Gewissenhaftigkeit, und mit einem Sinn,der einen religiösen Hintergrund hat, kann ein Lehrer diese Gegen-stände, wie alle anderen, treiben; aber in der Seele zuwider istmir ein Mensch, der davon schwatzt. Ich komme ans die Natur-kunde, beschränke aber meine Ansichten ans den Teil, der ameinleuchtendsten Gott offenbart, auf die Astronomie im weiterenSinne des Wortes. Denn ob die Zoologie, Botanik und Minera-