Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
396
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logie, die Chemie und andere Zweige der Naturkunde iiu einzelnenoder ganzen ein religiöses Moment enthalten, dieses nicht nurzu behaupten, sondern nächz uw eisen, wollen wir vorerstandern überlassen.

Das von religiösen Eltern, besonders von einer religiösenMutter erzogene kleine Kind erblickt in allen Naturerscheinungendas Wirken Gottes. Gott gab seinen Eltern, wie ihm, dasLeben, er schenkt Gesundheit, Speise und Trank, der heilige Christbeschert die Weihnachtsgaben, Gott läßt regnen und die Sonnescheinen, die Früchte an den Bäumen wachsen, tagtäglich führtGott Sonne, Mond und Sterne am Himmel herauf u. s. w.Also das religiös erzogene Kind, nicht aber das ohne Religionausgewachsene. Dieses weiß nichts von Gott, sieht ihn nicht,fühlt ihn nicht. Jenes hat Gott im religiösen Gefühl, un-mittelbar, die Mutter hat den Keim zur Religiosität angeregtund befruchtet; das Kind trägt die religiöse Stimmung über, esträgt Gott in die Natur hinein, und nun tritt er ihn: ans derNatur und in ihren Erscheinungen wieder entgegen. Ohne An-regung, ohne Entwickelung geschieht solches nicht, die Sinnelehren das nicht, das sinnlichst schärfste Auge, die zarteste Em-pfindsamkeit der Nerven lehrt solches nicht, aus der Natur anund für sich spricht also Gott nicht zu dem Kinde. Ist es reichmit Phantasie begabt, so erdichtet es sich, auch ohne religiöseErregung, Personen, meist Furcht und Schrecken erregende Ge-stalten, Gespenster, wohlthätige und böse Wesen. Auf diesemStandpunkte stehe» rohe Naturvölker. Ihr Glauben an Dämonen,gute und böse Geister, mag mit eigentlicher Religion verwandtsein, Religion ist es nicht, er ist kaum der Anfang derselben.Alan muß den Kinderglauben an Dämonen vernichten, um denBoden für den religiösen Glauben zu gewinnen.

Was ist es nun, das die Kinder veranlaßt, Gott in derNatur zu erblicken, ihn zu sehen in ihren Erscheinungen? DieAnregung ist, wie schon gesagt, von der Mutter ausgegangen;durch sie haben sie den Glauben an Gott empfangen; nun tragensie ihn auf alles einzelne über, sie leite» Wirkungen unmittelbarvon einem geahnten, unsichtbaren Wesen ab, das Verhältnis vonnatürlichen Wirkungen und natürlichen Ursachen ist ihnen noch