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nicht alles schwankend, ungewiß, vielleicht nicht einmal allesrelativ; aber durch diese Bemerkungen wird wenigstens diesesgewiß: Lesen, recht lesen heißt denken, verlangt das Denken,Überlegen, Prüfen. Auch dieses ist kein absoluter Satz, sonderneine Regel — für Menschen.
Kein Schriftsteller kann alles sagen, was er weiß, denkt,fühlt, will*. Er macht stillschweigend Voraussetzungen undüberläßt die Konsequenzen, alle oder zum Teil zu ziehen, demLeser. „Für denkende Leser" braucht nicht gesagt zu werden,alles ist für „denkende Leser". Und nicht der Schriftstellerist gerade der beste, der die meisten Gedanken hat; oft ist dervorzuzieheu, welcher zu Gedanken, zum Nachdenken, Prüfen, Über-legen anregt. „Alan wird nur weise von eigner Weisheit",d. h. die Weisheit des Schriftstellers bleibt für den Leser eintotes Kapital, wenn er es nicht in seinen: Innern in Betriebsetzt, in Fleisch und Blut verwandelt. Die Gedanken des andernbleiben den: Leser fremd, wenn er sie in Passivität annimmt,sie nur mit den: Gedächtnisse aufsaßt, sie nicht assimiliert. Sienützen ihm nicht, sie schaden ihn:. Zwar geht es zuweilen einen:Gedanken wie manchem Samenkorne, das nach langen: Liegen indem Erdboden endlich dennoch zun: Kennen und Wachstum ge-laugt. Aber es sind seltene Fälle und darauf ist uie zu rechnen.Eine tiefe Wahrheit braucht inan nicht gleich in ihrer ganzenTiefe aufzufassen und zu verstehen; aber verstehen muß mau siewenigstens von einer Seite, um sie später, unter glücklichen Um-ständen, mehrseitig oder ganz zu verstehen. Und dieses setztvoraus, daß man sie denkend auffaßt. Die Menge thut es nicht,und nicht „die Menge muß es bringen", sondern die Ver-arbeitung. Dieser Umstand darf nicht übersehen werden, wennman ii: der Beurteilung der Schüler voi: den besten Anlage::immer gerecht bleiben will. Ein Gedanke regt sie zu eignen:Nachdenken an, und sie — überhören das Nachfolgende. Geradeso geht es dem denkenden Leser bei einer anregenden Schrift.
* 8keret ä'sonu^sr S8t (Ist tout äire.
V ottLirs.