Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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382
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2. Mike Haltung der Schüler.

Ich meine die äußere Haltung, nicht der Hefte, Bücher,Lehrmittel, sondern die körperliche Haltung, außer der Reinlich-keit die Haltung des Körpers, seine Bewegungen und Manieren.

Wie kommt der Schiller an träge, schleichend, schlotterig,oder wie? Wie sitzt er da mit gekrümmten: Rücken, gesenktemKopse, glotzigen Augen, oder wie? Wie steht er auf, wenn ergefragt wird, wie hebt er die Hand, wenn alle gefragt werden,wie hält er sich, wenn er liest, recitiert, beweist? Gewiß, derLeib ist die Erscheinung des Geistes, und das Äußere soll regiertwerden durch das Innere. Darum, wenn man die Schüler zurAufmerksamkeit erregt, ihren Geist spannt, ihre Denkkraft ent-wickelt, Langeweile unmöglich macht u. s. w., so spannt manauch den Körper, den Rumpf, den Hals, den Kopf und die Augen,und pur Äußerliches ist ein trauriges Ding, man nennt es Ga-maschen- und Paradedieust. Aber das Innere hängt, zumal beiUnerwachsenen, auch von: Äußeren ab. Der Jugendbildner hatdaher auch aus dieses zu sehen, natürlich zuerst darauf, daß dieinneren Faktoreil thätig seien, aber zugleich auch auf ansprechende,der Sprache, dem Orte und den Personen entsprechende äußere Er-scheinungsweise. Sie hebt und fördert die innere Haltung. EinErwachsener kann bei krummem Dasitzen innerlich thätig sein;aber in tausend Fällen wird mau nicht einmal fehlen, wennman annimmt, daß die faule Haltung des Schülers auf Mangelder Aufmerksamkeit und der inneren Beteiligung hindeute. Vonstocksteifem Wesen ist nicht die Rede; aber von der unerläßlichenForderung, daß der Schiller anständig dasitze und aufstehe,während des Unterrichts den Lehrer unverwandt ansehe und sichso zeige, wie es einem kleinen Menschen geziemt, der vor seinemLehrer Achtung hat und weiß und fühlt, wo er ist und was ersoll. Die Schule ist ein Übungsplatz, zunächst ein geistiger, daunauch ein leiblicher, lind feiles ist er nicht ohne dieses. Je wenigerder Lehrer nötig hat, die Schüler All äußerlich angemessenerHaltung zu moniereil, desto energischer ist seine Wirkling auf denGeist der Schüler; aber bei einer Masse von Schülern wird seineAufmerksamkeit darauf nicht nachlasseil dürfen. Die wahre Rege-