Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
377
Einzelbild herunterladen
 

377

Menschheit, wie deine eigene, indem du, wie Schiller verlangt, ein Sandkorn zum Berg der Menschheit hinzu trägst.

Zweitens: Ermirb dir al lseitig e Kenntnis deinerUmgebung!

Ei» Gelehrter in einem Fache kann und soll der Schul-lehrer nicht sein, aber er soll seine Umgebung in vielseitigererWeise kennen, als irgend einer. Denn er soll ans die vielseitigsteWeise in seiner Schule wirken.

Die Kenntnis des Bodens, auf dem du stehst, die geogra-phischen, physikalischen, natnrhistorischen, geologische», meteoro-logischen, astronomischen Verhältnisse.

Die Landesprodnkte, die Art ihrer Verarbeitung, die Zweigeder Technologie, des Handels, der Gewerbe und der Industrie.

Die Geschichte deiner Umgebung, deines Landkreises,deiner Provinz, deines Staates. Denn du sollst bei dir zuHause sein, du sollst deine Kinder mit der Geschichte ihrerGegend, ihres Landes bekannt machen u. s. w.

Die Kenntnis der Verwaltung deiner Umgebung, der polizei-lichen, finanziellen, militärischen, der Schul- uud kirchlichen Ver-hältnisse von dem Nachtwächter und Gensdarmen an bis znmLandrate, der Regierung, den Ministerien und dem Könige hinauf.

Denn ans allen diesen Gebieten mußt du die veranschau-lichenden Beispiele des Lebensunterrichts wählen, das Entferntean das vor Augen Liegende, an die lebenden Personen desGesichtskreises deiner Kinder anschließend. Und durch dieseKenntnisse, durch diese lebendige Teilnahme an de» Lebensfaktorendeiner Umgebung wirst du fähig und reif für aktives Wirkenals Mann unter Männer».

Drittens: Mache dich znm Mittelpunkt der In-telligenz deiner Umgebung!

Keiner hat in dieser Beziehung eine glücklichere, beneidens-wertere Stellung als der Landschullehrer. Lauter einfache,leicht zu übersehende Verhältnisse, kein Überfluß a» Menschen,überall Mangel an Tüchtigen, die man sucht und schätzt undhcranzieht, wo man sie findet. Keiner auf dem Lande hat so

P