Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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der Unwissenheit als Lehrer. Jenseits derselben liegen dieandern Gebiete, eine Welt; das Wissen des Lehrers, sein not-wendiges, unentbehrliches Wissen ersüllt von ihr nur einen kleinenTeil. Aber zu verlangen ist von ihm, daß er diesen wenigstensbeherrsche. Und wie sieht es damit ans, mit dem Wissen in denGebieten der Religion, der Sprache, der Mathematik, der realenWissenschaften n. s. w.? Es wird einem schaurig zu Mute, wennman daran denkt: von allem ein Brocken, ein Atom, ein Mini-mum, ein Nichts, angenommen ans Treu und Glauben, über-kommen wie eine Bürde, unter ihr seufzend und keuchend wieein Knecht, sie wiederkäuend wie ein Tier, und doch nicht ver-dauend. Ihr klagt über Knechtschaft; aber wisset, keine ist herab-würdigender, vernichtender, als die Knechtschaft der Unwissenheit.Erkenntnis dagegen ist Macht, Einsicht, Stärke, Kraft, Mut,Festigkeit, Selbständigkeit. Darum ringet nach ihr, wenn IhrEuch emanzipieren wollt! Man spreche über den Ignorantendas Urteil äußerer Befreiung, eickfessele ihn von den Ketten, dieer trägt oder zu tragen wähnt: wird der Spruch die ihn be-herrschende Nacht in Licht, die öde in Fülle, das Verderben inSegen verwandeln? Ich habe schon das Wort zu Euch gesprochen:man wird nicht emanzipiert, man emanzipiert sich selbst; manhat mir das übelgenommen, aber hier ist doch wohl ersichtlich,daß keiner für den andern wissend werden kann, daß sich jederselbst helfen muß, oder es ist ihm nicht zu helfen. Was will esbedeuten, wenn inan nach der besten Vorbereitung in dem bestenSeminar bis zum 20. oder 22. Jahre ernstlich gelernt hat? Essind Anfänge, Grundlinien; das Gebäude daraus muß von dirin deinem Leben aufgeführt werden. Von einem bis zu demangegebenen Alter gesammelten Vorrat kann man kein Jahrordentlich leben, viel weniger ein Jahrzehnt; wenn du nichtam Einsanunelu, am Aussäen, am Keimen und Fruchttragenbleibst, du wirst bald so arm sein wie eine Kirchenmaus, eingeistiger Bettler. Du stehst still oder gehst zurück, und die Weltschreitet alle Tage weiter, und du klagst, daß sie dir nichthelfe. Wer heutzutage zehn Jahre ausruht, den trennt eine un-geheure Kluft von den Zeitgenossen, die inzwischen fortgewandert