Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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356
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Wirken und Walten überirdischer Wesen von Göttern und Gott-heiten höherer und niedrigerer Dignität. Das Mittelalterent-götterte" die Natur, verteufelte sie. In ihren Erscheinungen sahman damals die Wirkungen von Dämonen. Auf gut Faustischkonnte inan mit ihnen in Verbindung treten, sie unter Bedingungensich auf Zeit dienstbar machen. Schädliche Ereignisse leitete manvon bösen Wesen, übersinnlichen und teuflischen Menschen ab,man glaubte an Zauberer und Hexen. Man fürchtete die"Natur und ihr Wirken. Und den Menschen stellte der nach, derein Lügner ist von Anfang an". Von selbst entwickelte sich nachallgemeiner Ansicht in Natur und Geist nur das Böse. Aus Ein-flüssen übersinnlicher Art leitete inan das einzelne Gute ab, dasman nicht wegdisputieren konnte; die Natur erzeuge, meinte man,nichts davon.

Solange diese ungeheure Verirrung die Welt beherrschte, so-lange war an eigentliche Naturforschung nicht zu denkeu, bei denAlten leicht, weil sie die Erscheinungen aus der gesetzlosen Willkürindividueller Wesen, die nach Gunst oder Abgunst wirkten, ab-leiteten ; in dem Mittelalter nicht, weil die Furcht vor jeder un-befangenen Beobachtung abhielt. Nicht eher konnte die Sachewerden, als bis man wieder Vertrauen zur äußeren und inneren"Natur gewann, bis man zur Ahnung des ewig Gesetzmäßigen inbeiden fortschritt, bis man Gott in der Natur, Gott im Menschen-herzen wiederfand. In beidem gab Goethe seinen Zeitgenossen dasermutigendste Beispiel. Aus den Resultaten konnten sie auf dieNichtigkeit des Weges, der Methode schließen. Mit vollem Ver-trauen, unbedingter Vorurteilslosigkeit gab er sich den Einwir-kungen der Natur hin und gelangte so einmal zur Erforschungder wichtigsten Gesetze in Natur und Kunst, dann zur uatur- undkunstgemäßesten Darstellung derselben, endlich zu einer möglichstfreien Existenz im eigenen Leben. Vollkommen ist keiner, allesleistet keiner, aber in dem ebengenannten Dreifachen bleibt er einHeros für alle Zeiten. Die Mit- und Nachwelt schleichen lang-sam ihm nach, haben ihm aber weder in Leistungen, was nichtzu verwundern ist denn kaum alle tausend (?) Jahre erscheinteine so gottbegabte Nalnr, und kaum alle zehntausend (?) begünstigen