Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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354
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Abstrakte Regeln und Gesetze hatten für ihn keine Geltung.Was er nicht in seiner Natur angelegt, ihr nicht gemäß fand,verschmähte und verwarf er. Er huldigte den in seinem eigenenInnern vernommenen Impulsen und Mahnungen.

1.Einem Gelehrten von Profession traue ich zu, daß erseine fünf Sinne ableugnet. Es ist ihnen selten um den leben-digen Begriff der Sache zu thun, sondern um das, wasman davon gesagt hat."

2.Wozu die gelehrte Schulweisheit ohne Anwendung?Denken und Thun, darin besteht alles menschenwürdige Dasein."

3.So ist denn auch" schreibt er aus VenedigGottsei Dank, Venedig lein bloßes Wort mehr, kein hohler Name,der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen,geängstigt hat."

Und aus Rom:Meine größte Sorge war, keinen falschenBegriff mitzunehmen."

4.Die Natur ist doch das einzige Buch, das auf allenBlättern großen Gehalt darbietet."

Und aus Neapel an Herder, nachdem er Sizilien ge-sehen:Die Odyssee ist mir nun erst ein lebendiges Wort."

5.Wenn man darin (in der Geschichte der neuern Kunstvon Fiorillo, die er sonst sehr rühmt) liest, so erfährt manwas, aber man schallt nichts an."

Endlich veranschaulicht er seine Ideen durch konkrete Dar-stellungen, iil den einzelnen Erscheinungen sah er die allgemeinenGesetze, von jenen stieg er zu diesen auf, diese spiegelten sich ihmiil jenen.Das Allgemeine im Besonderen gesehen, erkannt undgeliebt; das Besondere ins Allgemeine erhoben und geliebt, Teilund Ganzes iil Wechselspiegelung." Zu seiner Zeit herrschte dieMeinung, daß der wahre Poet sich von der Natur zu entfernen,idealen Visioneil zu lauschen habe, daß er sich durch Naturan-schaunngen depotenziere und verschlechtere. Er dagegen fand in derNatur selbst die rechte Basis für Kunstanschauungen und poetischeGedanken. In dein Maße, als einer sich der Naturwahrheit be-mächtigt habe, iil demselben Maße sei einer, meinte er, ein echterDichter. Daher die Naivetät, um ein Schillersches Wort zu