Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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sie nicht mehr zu erlernen, er darf nichts in ihr lernen, wie einefremde, ihn: unbekannte, für ihn tote Sprache. In dieser mager mit den toten Zeichen beginnen, um an sie den lebenden Lautauzuknüpfeu; nicht also in der Muttersprache. Die Recht-schreibung der Wörter fremder Sprachen mag er lernen durchdas Auge und das Auge allein; in der lebenden, tönendenMuttersprache ist das Hauptwerkzeug das Ohr, und in zweiten:Grade das Auge. Mauche gehen so weit, die Ausbildung desGehörs der Rechtschreibung für nachteilig zu erklären. Nachmeiner Überzeugung müssen wir auf die möglichst scharfe Aus-bildung des Ohres ein besonderes Gewicht legen. Das scharfeHören, das accentuierte, charakteristische Sprechen, das Verständnisder lebendigen Rede, die Auffassung aller Feinheiten in phone-tischer, deklamatorischer und musikalischer Hinsicht hängt davon ab.

Ferner müssen alle Zweige des Sprachunterrichts sich aufeinander beziehen: Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben. Allebilden ein zusammengehöriges Ganze. Kein Teil darf in isolierteBetrachtung kommen. Und bei allen muß der oberste Zweck:vollkommenes Verständnis der Rede, angestrebt werden.

Nach diesen Grundsätzen und nach der oben dargestelltenNatur der Schriftsprache ist unsere Methode des Rechtschreibe-unterrichts folgende:

Beim Eintritt des sechsjährigen Knaben in die Schule werdenSprechübungen mit ihn: angestellt, Sätze werden zerlegt bis zuden Lauten. Gleichzeitig werden Vorübungen zum Schreibengemacht. Dann, etwa 68 Wochen nach dem Eintritt in dieSchule, werden einzelne Silben und Wörter geschrieben, kurzSchreib lesen.

Gegen Ende eines Jahres können die Schüler einfache Sätzeverständlichen Inhaltes ohne bedeutende orthographische Fehlerniederschreiben. Der Lehrer weiß, wo ein Fehler zu besorgen ist,und er sucht demselben durch Zergliederung des Wortes, durchAngabe der die Laute darstellenden Buchstaben zuvorzukommen.In: Lesen der Schreib- und Druckschrift sind die Schüler in-zwischen so weit vorgerückt, daß eine Trennung beider Gegen-stände eintreten kann. Das Augenmerk des Lehrers bleibe darauf