Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

278

ein einfaches, so ist dieses das erste nnd man schreitet zu Ver-bindungen fort, synthetisch. Jedenfalls aber kehrt man nachherden Gang um; der synthetische geht in den analytische» über,und umgekehrt.

Dieses wird deutlicher durch einen Blick aus Sprache undMathematik, was uns noch zu einigen Bemerkungen Gelegenheitgeben wird. In der Muttersprache ist das Nächstliegende einGanzes, der Satz oder eine Anzahl von zusammenhängendenSätzen, eine Erzählung, ein Aussatz. Der Unterricht in derselbenist daher vorherrschend analytisch. Von einer fremden Sprachekennt der Schüler zunächst gar nichts, weder einen Teil, noch einGanzes. Weil aber der Teil so wenig für sich verstanden werdenkann, wie an und für sich Blatt und Blüte, oder Wurzel undWurzelfasern an einem Gewächs, so beginnt der naturgemäßeUnterricht auch hier mit einein kleinen geschlossenen Ganzen,d. h. mit dem Satze, in dessen Organismus jeder Teil eineFunktion verrichtet. Von da aus schreitet der Unterricht nachzwei Seiten fort: erstens nach der isolierten Betrachtung dereinzelnen Teile, zweitens nach der weiteren organischen Explikationdes Satzes. Nimmermehr kann daher der Methodiker die altegrammatische, jnrtaponierende Methode gut heißen. Sie ist dieschwerere für den Schüler, die leichtere für den Lehrer, ein Um-stand, der vieles erklärt. Ja sie ist eigentlich eine unmöglichefür den Schüler, und nie hat ein Schüler durch das Auswendig-lernen einer Grammatik eine fremde Sprache gelernt. Wenn er siegelernt, so hat er sie entweder durch die praktische Tüchtigkeit einesLehrers, oder durch die Klassiker gelernt, trotz der Grammatik.(Nicht paroshus, sondern gnoigns! muß man sagen, wenn manan das noch vorkommende paragraphenmäßige Lernen der Regelnund der Ausnahmen denkt.) Damit sage ich nicht, wie sichvon selbst versteht, aber ich null es doch aussprechen, daß derLateinschüler z. B. nichts auswendig lernen solle, vielmehr istdieses zur rechten Zeit, wenn es mit Verstand geschieht, d. h. dasetymologische, das gedankenmäßige (im Satze), das associie-rende, nicht aber das unverbundene Vokabelnlerne», unerläß-lich; aber dies sage ich, daß man weder mit Regeln anfangen.