Unternehmungen aller Art zu gesteigerter Teilnahme. Wem esgelingen soll, der muß Verstand haben und urteilen können. Denkenwir überdies noch an alle Gegensätze, die sich auf den Gebietender Religion und des öffentlichen Lebens kreuzen, und mehr undmehr alle Klassen der Gesellschaft berühren: so erkennen wir dieunerläßliche Notwendigkeit einer möglichst gründlichen Bildung derJugend, einer solchen Grundlage, auf der sie mit Sicherheit ein-sichtsvoll fortschreiten kann. Diese Grundlage muß ihr durch dasWirken der Schule gewonnen werden. Aber wie? Meinen Sie, daßes noch ausreiche, wenn inan die Schüler mit der Wortkenntnisdes Katechismus, mit irgend einer Anzahl von Bibelsprüchen,die man in das Gedächtnis hineinlegt, versieht, wenn sie diemechanischen Fertigkeiten des Lesens und Schreibens erwerben,wenn man sie nach gegebenen Regeln rechnen lehrt? Dann wärenwir hinter allen Fortschritten der Didaktik zurückgeblieben, dannerkennten wir die drängenden Forderungen der Zeit nicht. Nein,die Einsicht ist unerläßlich, das Verstehen dessen, was man thut,die Gabe der besonnenen Beurteilung und Prüfung. Ehemalsglaubte man, die werde auf dem Wege des begriffmäßigen Er-lernens, durch Bücher und Studien erworben. Es war ein großer,ungeheurer Irrtum, dessen Verfolgung vieles, sonst Rätselhafteder Vergangenheit und Gegenwart erklärt. Begriffmäßig wurdendie Lehrer unterrichtet, begriffmäßig lehrten sie die Jugend. Lebenund Schule waren zwei getrennte Dinge. Dort handelte dereinzelne oft mit überraschender Einsicht, in der Schule blieb erbei dem alten Schlendrian. Die Jugend wurde in die Welt derBegriffe hinein gezwungen, trotz des Widerstandes, den ihre nachdem Konkreten begierige Natur dagegen äußerte, und die meistenkamen, einmal in die abstrakte Welt hineingenötigt und darineinheimisch geworden, im ganzen Leben nicht wieder in das frischeLeben hinein. Noch jetzt giebt es Tausende von Menschen,Hunderte von Lehrern, die an dieser Dürrsucht leiden. Sie wissenes nicht, sie ist ihnen zur andern Natur geworden; aber glücklicheLehrer sind es nicht. Ehemals ging es mit diesem abstraktenDasein. Das Bestehen im Leben forderte von den wenigstenBeweglichkeit des Geistes, Selbstdenken und Selbstprüfen. In
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