Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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Wir haben es gewollt, aber nicht mit den rechten Mittelngewollt. Die gegen das Übel angewandten Mittel haben sich alsunzureichend erwiesen.

Die Schule hat es gewollt; sie hat es nicht vermocht. DieKirche hat es gewollt; sie hat es nicht vermocht. Der Staathat es gewollt; er hat es nicht vermocht.

Der Staat an und für sich konnte es nicht. Er bedientesich der Schule und der Kirche. Aber warum beschwichtigendiese das Übel nicht?

Die Schule. Tausende von Kindern gehen in gar keineSchule, andere Tausende gehen so gut wie in gar keine, undwenn alle regelmäßig vom 6. bis zum 14. Jahre die Schule be-suchten, es ginge doch nicht. Denn

1) die Schule hat es hauptsächlich und ganz mit dem Unter-richt zu thun, und außerdem und teilweise auch mit der Erziehungdurch Gewöhnung und Zucht. Aber keine Schule bewirkt dieganze Erziehung; das elterliche Haus, das Leben und alle anderenMomente haben auf die Erziehung einen größeren Einfluß alsdie Schule. Wo diese mächtigen Faktoren mit dem Streben derSchule nicht übereinstimmen, wenn sie nicht anders wirken, alsbisher, so kann die Schule die Aufgabe nicht lösen. Darausfolgt schon, daß man sich auch an die Erwachsenen machen, nichtbloß Kinder erziehen und auf Kinder einwirken, sondern auchdas Volk bearbeiten müsse.

2) Der Lehrstand steht zu tief, ist zu gedrückt.Es fehlt ihm an der Tiefe der Bildung, an der Kraft der Ge-sinnung, nämlich an der Kraft, die zur Lösung einer solchenAufgabe vorausgesetzt werden muß. Denket nur an die vielenjungen, unerfahrenen Leute, die im Schulwesen thätig sind, anihre tiefe, gedrückte Stellung im öffentlichen Leben! Solangeman als Tagelöhner so viel, solange ein Pferd oder ein Ochsmehr verdient, als ein öffentlicher Lehrer und Erzieher, solangemuß man sprechen: Kann man auch Trauben lesen von denDornen und Feigen von den Disteln? Lehrer, die das Volkerziehen sollen, müssen die ger eis testen, thatkräftigsten,tüchtigsten Männer der ganzen Nation sein. Diesessind unsere Lehrer nicht, können es nicht sein.