Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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körperliche und geistige Krüppel aufwachsen, befinden sich anderein dem beneidenswerten Zustande, ihren Kindern in jeder Be-ziehung eine treffliche Erziehung zuteil werden zu lassen. Diegrößten Gegensätze bestehen dicht nebeneinander in demselbenLande, in derselben Stadt, unter den kultiviertesten Nationen.

Wer vermag dieses zu leugnen, oder dagegen seine Augenzu verschließen? Wer kann es über sich gewinnen, diese Miß-verhältnisse lvegzuleugnen, oder sich über sie mit Gemeinplätzenzu trösten? Wer erblickt in ihnen nicht den Krebsschaden derMenschheit?

Da sprechen einige, daß es immer so gewesen sei, ewig sobleiben werde, weil Abhilfe im großen lind ganzen zu den Un-dingen gehöre. Andere sagen, daß es die Schuld der einzelueusei, weun sie der Armut auheimfallen. Noch andere vermeinen,daß Gott selbst es also gefügt, und der Mensch die ewige Welt-ordnung nicht zu meistern habe. Und noch andere, nämlich andereGlückliche, gehen, wie jener Priester und jenerLevit, aus andernGründen an dein Unglück des Nebenmenschen kalt vorüber.

Nicht ausführlich sollen diese Einreden, von denen wir vor-aussetzen, daß deren Ungültigkeit und.Nichtswürdigkeit von denLesern dieses Aufsatzes eiugesehen wird, hier widerlegt werden;nur einiges bemerken wir darüber.

Nicht der ewige Schöpfer hat die jetzige Gestaltung des ge-sellschaftlichen Lebens bewirkt und gemacht, sondern es ist dieseiil Werk der Menschen. Die Umgestaltung derselben, wenneine solche nötig sein sollte, ist den Menschen überlassen, undderen Pflicht. Der Schöpfer gab ihnen darum menschlichesGefühl, Alllage zur Humanität und zu allem, was groß ist lindpreiswürdig, damit sie demselben Eingang verschaffeil und esuntereinander feststellen möchten. Dieses ist ihr Werk und ihreSchuldigkeit*.

*Ist noch das Böse mächtig auf Erden, so ist dies der Menscheneigene Schuld, die nicht hinlänglich thätig waren, um sich die Erlösunganzueignen. An dieser unglücklichen Passivität, womit die Menschen allesWe h über sich ergehen ließen, welches ihre Dränger ihnen bereiteten, andies er sonst unbegreiflichen Unthätigkeit. sich eine bessere Zukunft zu bereiten,