der, den sie trifft, nicht imstande ist, sür sich und die Seinigenden nötigen Unterhalt herbeizuschaffen. (Bon der Grenze, woder Reichtum in der Regel auch ein Unglück wird, brauchtnicht die Rede zu sein.) Aber was ist unter dein „nötigen Unter-halt" zu begreifen? — Es leuchtet ein, daß sich diese Bestimmungnicht für alle Zeiten, Orte und Menschen geben läßt. Die Ant-worten werden sehr verschieden ausfallen, je nachdem die Menschen,die sie geben, auf verschiedenen Standpunkten stehen, und siewerden nach Verschiedenheit der Verhältnisse auch verschiedenausfallen müssen. Aber abgesehen von jeder allgemeinen, zu allenZeiten gültigen Beantwortung dieser Frage, lassen sich doch fürirgend eine bestimmte Zeit Merkmale nennen, aus welchen sicherkennen läßt, ob die Armut einzelner oder vieler einen solchenGrad erreicht habe, daß sie für diese und dadurch mit Not-wendigkeit auch für das Ganze (weil eben die Menschen inWechselwirkung stehen und die Krankheit eines Gliedes notwendigauf die Gesundheit aller Teile störend eimvirkt) ein offenbaresÜbel wird, das weggeschafft werden sollte. Zu diesen Merk-malen gehören:
1) Tie Entbehrung der ersten, notwendigsten Bedürfnissejedes Sterblichen: Nahrung, Kleidung, Obdach;
2) der Mangel aller Hilfsmittel für Zeiten der Not, denenkeiner, wenigstens keine Familie sür immer entgeht, in Krank-heiten, Teuerung und andern unglücklichen Zufällen;
3) die Unmöglichkeit, den Kindern eine gesunde, natur-gemäße, Leben und Gesundheit erhaltende und stärkende körper-liche Ausbildung zu gewähren;
4) die Unmöglichkeit, denselben die zum Bewußtsein der Mensch-heit und zur Selbständigkeit im Leben unentbehrliche geistige Ent-wickelung durch Unterricht und Erziehung zu verschaffen.
Um ja nichts zu übertreiben und nicht der Sucht, das end-liche, darum mangelhaft bleibende Erdenlcben zu idealisieren, be-schuldigt zu werden, wollen wir alle weiteren Forderungen, diewir im Rainen jedes Menschen an das Leben machen, übergehen,auf alle andern verzichten, und nur die angegebenen vier Rück-sichten als Bl i n i m u m eines m enschliche n Lebens aufstellcn.