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1 (1890)
Entstehung
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bührliche Forderung sei. Wenn es sich handelt um den Gegensatzdes Interesses einzelner und des Ganzen, oder weniger und vieler,darum, ob zu wünschen und zu bewirken sei, daß einige (wirklichoder scheinbar) verlieren, während viele gewinnen, ob der Streitder Interessen bevorrechteter einzelner Personen, Familien oderStände mit dem Bedürfnis der weit überwiegenden Mehrzahl derNation oder der Nationen zu Gunsten jener oder dieser zu schlichtensei; so kann man das Urteil humaner Menschen mit Sicherheitvoraus bestimmen, und die wenigen, denen dadurch Opfer zuge-mutet werden, können selbst nicht widersprechen oder das Gegen-teil wünschen, falls sie wirklich selbst das Gefühl und Gesetz derHumanität im Busen tragen. Wo nur die Wahl gelassen istzwischen dem Vorteile weniger und dem Nachteile vieler, da kanndie Wagschale des Urteils unmöglich länger als einen Augenblickschwanken, falls nur, was überall vorausgesetzt wird, die Ent-wickelung und Umbildung selbst auf dem Wege Rechtens ge-schehen soll. Darum setzen wir voraus, daß die Leser jener Zeit,die Chateaubriand in prophetischein Geiste als gewiß voraus-sagt, mit Sehnsucht entgegen schaueu und keinen höheren Wunschkennen als den, daß diese Zeit doch recht bald Hereinbrechenund daß es uns vergönnt sein möge, zur Verwirklichung der-selben Mitwirken zu können. ,

Wir halten die unter uns bestehende Ungleich-heit des Besitztums für ein Unglück der Menschheit.

Es ist sehr traurig, daß man solche Ansicht nicht laut werdenlassen kann, ohne sich gegen Mißdeutung und gegen falsche, an-klagende Argumentationen daraus verteidigen und vor denselbenverwahren zu müssen. Aber das Edle, Hochherzige und Großeunserer Zeit pflegt mit dem Verwerflichen, Gemeinen und Nieder-trächtigen in solchen: Grade zusnmmengeworfen und vermischt zuwerden, daß am Ende das eine vom andern kaum noch unter-schieden werden kann. Man pflegt das unleugbar Große, Viel-versprechende unserer Zeit mit den Ausgeburteil wilder und revo-lutionierender Phantasiemenschen in solche Verbindung zu setzen,oder das eine mag mit den: andern auch wirklich in einzelnenErscheinungen so verpaart erscheinen, daß mau Gefahr läuft, des

Diesterweg, Ausgew. Schristcn. 2. A»sl I, 12