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1 (1890)
Entstehung
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der fremden Sprache, lim, weil man dieses für leichter erkenntals das Umgekehrte, das Fremde in das Deutsche übertragen zulehren. An naturgemäßer Richtigkeit steht diese allgemein ge-wordene Unterrichtsweise offenbar hinter der zuerst beschriebenenzurück. Die Annahme derselben findet ihre Erklärung darin, daßdie fremde tote Sprache dein Lehrer nicht mundrecht geworden ist,daß er sich derselben nicht vollständig bemächtigt hat, was wir,eben weil die Sprache nicht mehr gesprochen wird, auch als eineUnmöglichkeit anerkennen. Darin findet denn die herkömmlicheMethode der Erlernung toter Sprachen ihre völlige Rechtfertigung.Diese erklingen nicht mehr in lebendigen Tönen aus dem Mundein ihr denkender Völker; sie leben nicht mehr als gesprocheneSprachen, d. h. sie leben gar nicht mehr; es sind nur noch vonihnen sichtbare Rudimente übrig, die Abdrücke der Worte undGedanken, nicht diese selbst in ihrer Unmittelbarkeit und Wahrheit,nur Reflexe derselben; es sind Wörterherbarien, wie man Herbariender Naturprodukte des Pflanzenreichs angelegt hat; die Überreste,die auf uns gekommen, bilden nicht einen wogenden, flutendenOzean, sondern ein Eismeer, dessen Teile festeil Steinmassen gleicheil,das wohl voil sprachbegabteil Menschen durch das Licht des Geistesund durch die Wärme lebendiger Phantasie teilweise allsgetautllild in eül Fluidum verwandelt werden mag, nimmermehr abereiil lebenerzeugcnder Ozean wird, weil die Ströme des Volks-geistes ihm fehlen, und die bewegenden Kräfte uaturkräftiger, demNaturorganismus ungehöriger Elementargeister nicht auf ihn ein-wirken, weshalb er stets ein totes Meer bleibt, das in seinemInneren keine Zeugekraft birgt, lind dessen Ufer nur von totemGesteine bedeckt sind. So wenig es selbst dem tiefsten Geistegelingt, aus Herbarien die lebendige Natur in der Fülle ihrerProduktionen lind in ihrer schaffenden Kraft zu begreifeil, so wenigist es möglich, ans Wortherbarien und ans ihren toteil Rudimentenden entwichenen Geist einer Sprache hervorznzanbern und herauszu citieren, daß er, statt eines Schemens oder eines Gerippes, alslebendiger Geist Rede stehe und Antwort gebe, und sich als Ur-wesen in seiner Naturkraft von neuem manifestiere. Eben darum,weil eine tote Sprache nur in ihren sichtbaren Überresteil vor lins