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Erlernen der Muttersprache und einer fremden Sprache. Jene er-lernt der Mensch, ehe die klare Entwickelung des Selbstbewußtseinseingetreten, und Sprachverständnis und Selbstbewußtsein schreitenharmonisch miteinander fort. Solange das Kind sich wie eineSache für den andern ansieht, also sich auf dessen Standpunktstellt, solange fehlt ihm das seine Persönlichkeit bezeichnende Wort;es gewinnt, ergreift und gebraucht dasselbe in dem Augenblick,wo das Selbstbewußtsein, die genaue Unterscheidung des Ich vondem Du, in ihm aufsteigt. Selbstbewußtseins-Entwickelnng undSprachentwicklung gehen daher stets Hand in Hand.
Nicht so verhält es sich bei der Ergreifung der fremdenSprache. Das Selbstbewußtsein hat viel früher die Stufe derKlarheit errungen, und das Kind entwickelt sich nun mit klaren:Bewußtsein; nicht blind nachahmend ergreift es das fremde Wort,sondern es verlangt, nach der Stufe seiner Lebensentwickelung,das Verständnis desselben. Blessen wir überhaupt die Bildunder Menschen nach den Graden ihres helleren oder dunkleren Be-wußtseins, und ist es unsere Aufgabe in allein geistbildendenUnterricht, die Bewußtseins-Entwickelung möglichst zu fördern, sodürfen wir jene Forderung des Kindes, das außer ihm liegendeFremde an das bereits klar Erkannte anzureihen, das Unbekanntedurch das Bekannte zu verstehen und seiner sich durch dasselbe zubemächtigen, nicht zurückweisen, sondern aller Unterricht, also auchder der fremden Sprache, muß das klare Bewußtsein in Anspruchnehmen und bethätigen. Die Muttersprache hat das Kind vorder Entwickelung des klaren Bewußtseins und stufenweise mitdessen Ausbildung erlernt, die fremde Sprache soll es mit wachemSelbstbewußtsein und steten: Verständnis, nicht auf den: Wegeder blinden Nachahmung erlernen. Was die einzelnen Wörterder Muttersprache, ihre Formen und Veränderungen bedeuten,hat es umnittelbar mit der Auffassung der Beziehungen der Dingein seinen: Vorstellungskreise erlernt; die Wörter und Formen derfremden Sprache kann und soll es nur ai: der Muttersprache unddurch dieselbe erlernen. Daraus folgt, daß die Muttersprache,ihr Wesen und ihre Formen überhaupt, ihn: zun: klaren Bewußtseingebracht sein müssen, bevor es nach den Grundsätzen einer natur-