Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

159

Berücksichtigung dieses Verhältnisses ein Licht auf den Unterrichtin der Muttersprache, weshalb wir darüber einiges amnerken wollen.

Wir haben bereits angeführt, daß Vorstellung und Bezeich-nung derselben in der Muttersprache überall zusammenfallen. Istdie Vorstellung auf ein leibliches Ding gerichtet, so ist auch dieVorstellung des Dinges immer gleichzeitig mit dein Worte, sowieumgekehrt das Wort die Vorstellung des Dinges hervorruft. Nichtso verhält es sich mit den Wörtern einer fremden Sprache, diewir noch nicht kennen. Zwischen sie und die Dinge, die sie be-zeichnet, oder die Vorstellung von diesen Dingen treten überall dieWörter der Muttersprache, welche die betreffenden Dinge bezeichnen,in die Mitte, vermittelnd die Verknüpfung der Dinge mit denfremden Wörtern. Das den Gegenstand bezeichnende Wort derMuttersprache vertritt, um ein Bild von Sokrates in einein pla-tonischen Gespräche zu gebrauchen, die Stelle des mittleren dereisernen Ringe, deren erster der Gegenstand und deren dritter dasWort der fremden Sprache ist. Erlangt man auch bei vollständigerAneignung eurer fremden Sprache endlich die Fertigkeit, die fremdenWörter umnittelbar auf die Dinge zu beziehen oder selbst in derfremden Sprache ohne Beihilfe der Muttersprache zu denken, so istsolches doch niemals auf der unteren oder mittleren Stufe derErlernung eurer fremden Sprache der Fall. Daraus folgt, daßeine ausländische Sprache durch die Muttersprache, nur durch ihreVermittlung, erlernt werden kann. Gesetzt auch, man versetzteein Kind während der Schuljahre unter eine fremde Nation, woes nur in dein ausländischen Idiom sprechen hört, so wird dasKind stets unwillkürlich das fremde Wort erst an die die Dingebezeichnenden, ihm bekannten und geläufigen Wörter der Mutter-sprache halten, weil die Vorstellungen der Dinge und der sie be-zeichnenden Wörter eins sind, und benutzte mau daher bei deinUnterricht in eurer fremden Sprache die Muttersprache nicht, sowürde man das Kind auf die Lebensstufe eines Säuglings zurück-drängen und ihm die blinde Nachahmung anmuten. Die Wörterder Muttersprache bezieht der Meusch unmittelbar auf die Dinge,die der fremden Sprache nur mittelbar auf sie.

Daraus entwickelt sich der zweite Unterschied zwischen dem

u