IX.
Mer die Methodik des
Sprachunterrichts.
Um die rechte Methode des Unterrichts in derMuttersprache in allgemeinen Zügen zu charakterisieren oderzu finden, dürfen wir uns nur erinnern, in welchem Verhältniszur Muttersprache sich der Knabe befindet. Mit dem ersten Er-wachen seines Bewußtseins aus tierischer Dumpfheit und Befangen-heit und mit der Zerlegung der chaotisch ihn umfangenden Außen-welt in einzelne Bilder hat er die Sprache erzeugt und durchNachahmung erlernt. Sie ist dadurch sein geistiges Eigentum ge-worden. Sein Geist denkt und lebt in ihr; sie ist nicht seinäußeres Besitztum, dessen er sich entäußern und entschlagen könnte,das er ergreifen oder zur Seite schieben möchte; sondern sie istmit und in ihm. Ohne hier in die Streitfrage einzugehen, obder Mensch zu lichten Vorstellungen ohne Laut und Wort zu ge-langen vermöge, so ist doch soviel gewiß, daß der wohlorganisierteMensch jeder Zeit Vorstellung und Wort zugleich findet, daß jenedas Bewußtsein von diesem hervorruft, daß beide ineinanderaufgehen. Die Dinge, die er sich vorstellt, rufen unwillkürlichdie Wörter, mit welchen die Dinge bezeichnet werden, die Wörterdie Vorstellungen der Dinge hervor. Diese Einheit oder Identitätder Vorstellungen und der Worte lebt in dein Geiste jedes Knaben,wenn er die Schule betritt. Der Unterricht in der Muttersprachehat daher die Sprache nicht als ein dem Geiste Fremdes, sondernals ein dem Geiste Eigenes zu betrachten, und nur das Bewußt-sein hinzulenken auf die Funktionen, welche der denkende Geist in