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natürlichen Anlagen (was will man mehr?) und in ihr einegemütvolle Mutter zu besitzen, sage, Freund! wärst du nicht,nicht zufrieden, einer der undankbarsten Sterblichen?
Als ich noch in dem kleinen Mörs (die Großstädter nennenes ein Nest!), als ich noch in dem Nest Mörs lebte, — es warenbeschränkte, enge Verhältnisse gegen die, in welche ich versetztwurde —, aber ich war glücklich, ja ich war ein glücklicherMensch. Ich habe es vielleicht nicht immer genugsam ermessen,aber ich fühlte es, und jetzt denke ich (wenn ich offen sein will,was man ja so gerne ist) oft mit Schinerz daran.
Jetzt lebe ich in größeren, weiteren Verhältnissen. Nichtnur in großer Stadt mit viel tausend unbekannteil Menschen,sondern auch unter inehr Seminaristen, leitend eine große Knaben-schule von sechs Klassen — am Rhein waren es nur zwei —;Kandidaten der Theologie, Lehrerinnen, Fremde mancherlei Artbesuchen mich und die Anstalt, und selten weiß ich gewiß, daßich am Tage über eine Stunde frei gebieten kann; also einweiter, viel umfassender Wirkungskreis; aber in meinem Innerenfühle ich mich nicht immer befriedigt. Es freut mich nicht,Samen ins Weite hinzustrenen, ohne sein ferner noch zu warteilund zu pflegeil, es dem guten Glück zu überlasseil, ob er unterdie Dornen und auf den Weg, oder auf fruchtbaren Boden fiel,ich möchte des Pflänzchens gerne selbst warten, nicht bloß sagen:hier stehe ein Baum, eine Linde, eine Buche, eine Akazie; sondernbegießen, beschneiden und veredeln.
Mit wahrem Schmerz empfinde ich den Unterschied desVerhältnisses des Seminaristen am Rhein und derer in Berlinzu mir. Es ist nicht die Schuld der letztereil, nicht meine Schuld,es ist eine Folge der Verhältnisse. Wie lebte ich in Gedankenlind im Wirken dort nur in ihnen, vom frühen Morgen bis zninspäten Abend, wo ich ihnen noch einige Gedanken in den Schlaf-saal mitgab, wie bezogen sie all ihr Denken und Leben auf dieAnstalt und mich, mit welchen Gefühleil schieden sie voll mir!Dagegeil stehe ich meineil jetzigen Schülern viel ferner, ich bininehr ihr Lehrer als ihr Erzieher, ich stehe da als der Direktorder Allstalt, und nur bei Wenigeil bildet sich ein dauerndes,bleibendes Verhältnis. Es ist mir sehr schmerzlich.