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1 (1890)
Entstehung
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lebt noch das Höhere, Tiefere, und wenn die Teuren von ihmscheiden, so erwacht es in ursprünglicher Stärke. Unverwüstlichist es wie der Geist selbst, es geht, nachdem die menschlichenTäuschungen und Verirrungen vorüber sind, mit ihm in dasbessere Jenseits, und das Edlere in de» Zurückbleibenden sprichtsich dann in den stärksten Gefühlen ans. Jeder Kirchhof ist einDenkmal der unvergänglichen Liebe und Treue in den Herzender Menschen. Auch darum ist es menschlich, natürlich und schön,ihn in einfacher, Geist und Herz labender Erscheinung zu erhalten.Jedem Fühlenden ist die Ruhestätte der Toten ein heiliger Ort.

Bei jedem schmerzlichen Verluste eines von denen, die wirzu den Unsrigen rechnen, sei es durch die Bande des Blutes oderder Freundschaft, drängt sich lins die Frage über die Unsterb-lichkeit auf.Sein oder Nicht-Sein?" Ganz ungesucht steigendie Zweifel in dem Menschen auf. Wer diese für Vor- oderAberwitz, oder für Freigeisterei und Unglauben halten sollte,müßte noch gar nicht wissen, wes Inhaltes eigentlich die Fragesei. Wie Jean Paul daher sagt:Wer noch nicht an dem DaseinGottes gezweifelt hat, glaubt noch nicht fest daran," so kannman gewiß auch sagen:Wer noch nicht an der Unsterblichkeitgezweifelt, glaubt noch nicht daran." Mit allgemeinen Redens-arten kann man diese Zweifel wohl beschwichtigen, besonderswenn sie keine besondere Stärke erreicht haben; aber widerlegtwerden sie dadurch nicht. Welche schwere Bedeutung sie haben,weiß nur der, in dem sie in Augenblicken des tiefsten Schmerzesüber den Verlust eines innigst mit uns Verbundenen, z. B. einesKindes, anfgestiegen sind. Wer das nicht erlebt hat, sollte garnicht davon rede».

Ich glaube an die Unsterblichkeit der Seele mit persönlichemBewußtsein; aber ich kann nicht bergen, daß ich in den verschiedenstenSituationen darüber nachgedacht und daran gezweifelt habe.

In Momenten der äußersten Ruhe, wo die Interessen schlafen, in mancher Beziehung eine angenehme Situation sagt derVerstand mit kalter Besonnenheit: Du wünschest zwar die Un-sterblichkeit für dich und die Deinigen, aber der Wunsch alleinist kein Grund. Das Tier wünscht auch Selbsterhaltung, und