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des Bodens — konnte ich mein Erstaunen nicht bergen. EineStadt wie Berlin mit einigen Hunderttausend Einwohnern lieferteine Unmasse von Dünger; aber auch auf dem Lande zwingtinan aus dein unfruchtbaren Boden — unwillkürlich denke ichdabei oft an das Wort Schillers, daß der Mensch dem kargenHimmel die harten Lose abzuringen habe — mehl- und saftreicheFrüchte heraus. Aber die Menschen sind auch fleißig, sehr fleißig,leben spärlich, und ein rheinischer oder westfälischer Bauerwürde mit ihnen nicht tauschen. Ein solcher würde es gar nichtder Mühe wert erachten, er würde den Boden liegen lasse» oderwegziehe». Denn das ist merkwürdig genug: hier denkt keinMensch ans Auswandern, während ans Westfalen, Thüringen,der Rheinpfalz, Rheinbayer», Württemberg und Franken jährlichTausende sich über dem atlantischen Ocea» eine neue Heimatsuchen. Ein sicherer Beweis, daß die Schlechtigkeit des Bodens,die Bedrängnis der Lage den alleinigen Grund der Auswanderungnicht allsmachen, und daß noch andere Ursachen Mitwirken. Ichbin jedoch weit entfernt, diese neue Erscheinung als ein Unglückzu betrachteil, wünsche vielmehr, daß die Zahl der Ausivandcrn-den sich mehre, um ihrer und um der Zurückbleibenden willen.Aber in Norddeutschland scheint wirklich in den Bewohnern mehrder Charakter des Stabile», in Süd- und Westdeutschland mehrder des Veränderlichen vorznherrschen. Vielleicht rührt daherder Name der Sueven (von schweifen).
Die Menschen sind in Norddeutschlnnd sehr fleißig. Ichhabe in Berlin schon oft morgens nach drei die Arbeiter an ihrWerk geheil sehen, und die Zimmerlente in der Nähe meinerWohnung wecken mich oft zur Unzeit durch die Schläge ihrerfleißig bewegten Äxte. Der Boden zwingt sie, fleißig zu sein.Wer nicht sehr fleißig arbeitet, hat nichts; er darbt oder ver-hungert. Der Boden gewährt nur ein kärgliches Brot. Nirgendssieht man daher dort Landleute von solcher Frische, Beleibtheitund Wohlhabenheit, wie in der Rheinpfalz, die mit stolzen Rossenvor ihren Leiterwagen zwischen Heidelberg und Mannheim oftder Gegenstand meiner Freude gewesen sind. Die märkischenLandleute sind schmal, ihre Pferde klein und mager. Man sieht
Diestermeg, Ausgew. Schriften. 3. Aufl. I. ^